III.
Zal. Aeßllkr an Zimmtrmann.
(Vgl. Abth. I, S. 34 ff.)
1 -
Ohne Datum (1761).
Echon lange ist die Sonne hinter dem Berg herauf, und Du zö-ÄerK-t/ gerst noch zu kommen.*) Auf, nimm den Stab von der Wandund eile zu uns herüber; komm, siehe, wie Freundschaft undder schöne Frühling in der lieblichsten Gegend und in stillemSchatten sich umarmen, und frohe Scherze und Grazien und dieMusen; die Natur hat um uns her mit feyerlicher Schönheit sichgeschmückt, die Bögel singen ihren Frühlingsgesang auf Deinem Wege,und Deine besten Freunde sehen Dir im Hain entgegen, voll Un-geduld, in seinem Schatten Dich zu umarmen.
Sehen Sie, wie poetisch ich bin, aber wir reden hier nichtsals Poesie, und ich kann es kaum erzwingen, Ihnen in der gemeinenSprache der Menschen zu sagen, daß Sie um des Himmels willendoch gewiß noch vor dem Mittagessen zu uns herüberkommen; jedeMinute hier unter diesen Freunden zugebracht, ist schätzbarer, alssonst ein ganzer Tag unsers Lebens. Ihr Diener und Freund
S. Geßncr.
2 .
Zürich, den 22. May 1761.
Guten Tag mein Schatz, das ist der eigentliche Titel, den ichIhnen geben muß; ich liebe Sie mehr, als ich Ihnen sagen kann,und Sie sitzen in meinem Herzen meiner lieben Hausfrau auf demSchooß. Ich wüßte kein erwünschteres Vergnügen, als öftere Ge-legenheit, Sie zu sehen. Wie viel Vergnügen hab' ich Ihnen beyletzterem Anlaß (?) zu danken! Aber Sie sind ein wunderlicherKopf. das sind Sie, immer müssen wir Ihnen nachlaufen, aber IhreEhrcn-Person einmal nach Zürich hinauf zu bringen, das lassen Siewol bleiben. Kommen Sie, Jungfrau Sch.... soll Ihnen mitBlumen umkränzt wie eine Flora cntgcgengehn, unser fetter Doctor
°) Nach Schinznach; vgl. Abth. I, S. 31.