Band 
Erster Band.
Seite
142
JPEG-Download
 

überwundenen Arianismus nicht hinreissen * 1 . Beispiele endlich,wie die Kirche auf die weltliche Gesetzgebung in humanemSinne einzuwirken suchte, haben wir an Avitus, Bischof vonVienne, und an Gemellus, Bischof von Vaison: ersterer trat,obschon vergeblich, gegen den durch die burgundionischeGesetzgebung sanctionierten gerichtlichen Zweikampf auf (S. 73);letzterer verwendete sich bei König Sigismund für das Loosder Findelkinder und vermochte ihn zum Erlass eines bezüg-lichen Gesetzes 2 .

Die landwirtschaftliche Thätigkeit der WeltgeistlichenBurgundiens erhellt aus dem Einberufungsschreiben zumepaonensischen Concile 3 . Die Klöster ihrerseits arbeiteten eben-falls an der Landescultur. Bomanus und Lupicinus, dieGründer von St. Claude (Condatiscone) und anderen Klösternim Jura 4 , lichteten und bebauten die dortigen Wildnisse 5 6 .Die für das Kloster Agaunum (St. Moritz) aufgestellte RegulaTarnatensis schreibt Feld -, Ernte - und Winzerarbeiten vor 0 ,

schreibt die Milde, die sich in den betreffenden Verordnungen des epao-nensischen Concils kundgibt, ganz verkehrt den burgundionischen Königen zu.

1) Ueber die Beschlüsse des epaonensischen Concils in dieser Be-ziehung s. Wurstemberger I. 250 und Derichsweiler S. 85 ; unrichtig be-urtheilt dieselben Söeretan S. 89. Siehe auch oben S. 121. 132 In. 1.

2) LB. Tit. 109 vom 8. März 516; vgl. Pardessus I, 1. 360. I, 2. 63f.Troya II, 2. 940 f., Bluhme S. 578 N. 47 und Binding I. 226.

3) Avitus Ep. 80; vgl. JvMüller I. 121 und Werke I. 31, Dey imMdm. de I’rib. IV. 66, Daguet S. 41 und Derichsweiler S. 181 N. 17.

4) Jurensia monasteria Sidon. Epist. IV, 25 und daselbst SirmondNot S. 89.

5) Gregor. Tur. Vit. Patr. I, 2. Von einem jener Klöster bemerktdie Vita S. Romani c. 9 ausdrücklich, es sei gegründet worden, um demerstgenannten durch Anbau von culturfähigem Land mehr Lebensmittelzu gewinnen; vgl. Gelpke I. 148. Schade nur, dass diese Vita ein unter-geschobenes Machwerk ist. Der Einwurf, welchen der. Verfasser derDissertation sur l’etabl. de l’Abbaye de St. Claude (1772) S. 10 gegen dieFeldarbeit der ersten Mönche von St. Claude aus dem von Gregor a. 0.erzählten Umstande zieht, dass Lupicinus die ihm vom BurgundionenkönigeChilperich angebotenen Grundbesitzungen abgelehnt habe, widerlegt sicheinfach so: die Mönche begnügten sieh mit dem von ihnen selbst urba-risierten Lande, das freilich wegen der ungünstigen Ortslage ihrem Unter-halte nicht genügte, so dass Lupicinus um Unterstützung nachsuchte.

6) Cap. 9 ; vgl. Le Cointe a. 536 n. 208 und Gelpke I. 115. 349.