Band 
Erster Band.
Seite
171
JPEG-Download
 

171

sich den strengsten geistlichen Hebungen unterzog 1 , wiesolche auch der aus dem burgundionischen Königsgeschlechtehervor gegangenen I'rankenkönigin Chlotilde als Wittwe nach-gerühmt werden 2 . Die Susane (Susanna), die nach einerLyoner Grabschrift vom J. 508 zwanzig Jahre alt, nach ein-jährigem strengem Klosterleben starb, würde ebenfalls hiehergehören, wenn dieselbe eine Burgundionin gewesen wäre,was jedoch wegen ihres biblischen Namens sehr unwahrschein-lich ist 3 . Dagegen kommt hier weiter in Betracht, dass dieNonnen durch die Lex Burgundionum erbrechtlich begünstigtsind 4 . Sigismund, der Königssohn, zeigte infolge seinercatholisch - geistlichen Erziehung durch den Bischof Avituseine streng kirchliche, beinahe ascetische Richtung: wirsehenAn nicht nur die hohen Kirchenfeste eifrigst feiern 5 , sondern

1) Grabschrift bei Du Chesne SS. HFr. I. 514. Wenn es in dieserbeisst: Jam dudum eastum castigans aspera corpns j Delituit vestis muricesub rntilo, so ist damit, "wie Valesius Ufr. VI. 288 f. bemerkt, das ciliciumgemeint J dieses trugen nemlich im christlichen Alterthume selbst Frauen.v gl. Bosius Not. ad Pass. S. Caecil. S. 58 f. und über das cilicium im■Allgemeinen die Nachweise bei Le Blant II. 237.

2) Vita S. Chrotild. c. 11 .

3) Die Grabschrift bei Boissieu S. 578 und Le Blant I. 144 ff., woandere biblische Frauennamen aus römischen Grabschriften citiert sind,bde penitentia der Grabschrift ist der Ausdruck für das strenge Kloster-leben; s. Le Blant II. 597 in Berichtigung von I. 145 f. 549 f. Waekernagel beiBinding I. 399 macht Susane, wegen der Namensendung in E, zur Bur-gundionin. Vgl. jedoch bei Boissieu S. 543 Faustines (statt Faustinae);80 lauten die Feminina im Genitiv oft ES statt AE, wie wenn der Nomi-nativ E statt A wäre.

4) LB. Tit. 14 § 5. 6 . 17, T. 57 § 3. 4 und Addit. II. 12 ; vgl. Le-c oiate a. 534 n. 34, Matile S. 23 f. 55 f. und Wurstemberg. I. 231. 239.Sanctimonialis, wie die Nonne in der Lex Burg, heisst, oder puella san-atimonialis ist im 5. und 6 . Jahrhundert üblicher Ausdruck für die Nonne(Mabillon AA. SS. 0. Ben. I Praef. S. XXI und Le Blant I Prof. S. Xnnd II. 169 ) neben puella Deo devota (Lex Bom. Burgund. T. 9 § 4) undPnella deo sacrata oder sacra (Avit. Ep. 49; vgl. Le Blant I Pief. S. X,

90. II. 462); im 6. Jahrhundert kommt auch der Name religiosa auf(Be Blaut I. Prüf. S. X nnd II. 25).

5) Avitus Ep 67 68 . 71. 72; vgl. Sirmond Not. S. 48. 49 und Bin-din g I. 295.