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Erster Band.
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catholisch - geistliche Erziehung erhalten hatte (S. 119). DieseErscheinungen dürfen nicht befremden: die öffentlichen Lehr-anstalten waren im 5. Jahrhundert schon vor dem Ende desWestreiches auch in Gallien meist verfallen 1 ; die politischeZerrüttung und Auflösung hatten Entmnthigung des geistigenund literarischen Streben» erzeugt, und dieses fand nach demUntergange des Reiches nur noch im Dienste der Kirche Schutzund Bethätigung 2 ; was von antiker Sprache und Bildung übriggeblieben war, wurde so hauptsächlich vom Clerus im Interesseder Kirche bewahrt und in geistlichem, besonders klöster-lichem Unterrichte gepflegt 3 , wie denn in Bur gundien namentlichdas Kloster Condatiscone (später S. Eugendi, St. Oyan, undS. Claudii, St. Claude) und Agaunum (St. Moritz) christlicheBildungsheerde waren 4 . So war es gekommen, dass Wissen-schaft und literarische Bildung wesentlich theologischer Artwaren 5 . Diese theologische Bildung war freilich keineswegsfrei von Autoritäts- und Aberglauben und von Versinnlichungdes Geistigen, die sich namentlich im Heiligen- und Reli-quienculte kundgab, welcher bis zur Necromantie bei Heiligen-

1) Guizot I. 108, Bernhardy S. 346 und Derichsweiler S. 113; überdas muthmassliche TJeberbleibsel einer solchen Schule, das noch im Anfangdes 6. Jahrhunderts zu Lyon existierte, s. unten.

2) Guizot I. 124 f. 181. Die verkehrte Ansicht, welche der Kircheden Untergang der alten Bildung zuschreibt, wird von Guizot II. 170 f.widerlegt. Die von Löbell S. 375 mit Hecht verworfene Ansicht, dassdie Germanen der alten Literatur den Todesstreich versetzt hätten, wirdvon Bornhak S. 336 dahin modifieiert, dass die durch die Germanen einge-leitete neue Zeit den Abschluss der alten Literatur beschleunigt habe.

3) Bernhardy S. 92 (N. 70). 346. 350, Gelpke I. 347 ff. II. 567 ff.,Bornhak S. 336, Derichsweiler S. 113 und Bröcker S. 4 f.

4) Gelpke I. 349 f. 412 f. und Fehr S. 568. — Gelpke I. 349 beruftsich auf die Stelle der Vita S. Eugendi c. 4: praeter Latinis voluminibusetiam Graeca faeundia instructus. Schade nur, dass diese Vita unächt ist.Schola Eugendi bei Avitus Ep. 17 ist nicht des Eugendus „Klosterschule“,wie Gelpke I. 413 übersetzt, sondern nach dem spätrömischen Gebrauchevon schola die Genossenschaft oder das Kloster des Eugendus , wie SirmondNot. S. 20 bemerkt; so ist bei Avitus Ep. 47 schola gleichbedeutend miteontubernium ebendaselbst.

5) Gelpke I. 350. Derichsweiler S. 58 verkennt diesen Zustand derDinge, indem er von Avitus sagt: seine Bildung war, wie die seiner Zeitüberhaupt, eine einseitig vorwiegend theologische.