wahr genommen wurden 1 . Woher kamen nun aber dieKünstler, die sich als Knechte unter den Barbaren befanden?Ohne Zweifel aus den ost- und weströmischen Ländern, dievon den Barbaren occupiert worden waren. Mit diesen Län-dern machten sich aber die Barbaren auch die einheimischeKunst dienstbar, und zwar um so leichter, da diese sichohnehin in einem tief gesunkenen Zustande befand und sichdem Kunstgeschmacke der Barbaren anzubequemen gewöhntwar 2 . Wir erinnern an die im ost- und weströmischen B-eichevom Staate angestellten Barbarii oder Barbaricarii, Künstler,welche Gewirke und Waffen in barbarischem Geschmacke an-fertigten 3 . So allein erklärt sich das Vorkommen der charak-teristisch-germanischen Ornamentik an solchen Metallarbeiten,die eine geübte, rauhen Barbarenhänden fremde Technik vor-aussetzen und, wie wir gesehen, zumeist und zuerst in dennördlichen Ländern des ehemaligen Westreiches auftreten, 1®innern Deutschland aber fehlen und in Scandinavien erstspäter aufkommen (s. unten), während sie, nach der Hyp°"these alteinheimisch - germanischen Kunstfleisses, in jenen
1) ßettberg II. 22 urgiert uimöthig, dass Gisa eine Deutsche gewesen,und deutet daher die aurifices barbari, als fremde Knechte, auf keltische(doch römisch-keltische?) Sclaven; übrigens weist er darauf hin, dass deraurifex in der Lex Alam. Tit. 79 § 7 ebenfalls als Höriger vorkommt undhöhere Geldwerthung hat.
2) Aefften doch Ost- und Weströmer sogar in der Tracht barbarischeSitte naoh, wie dies u. A. Glaudianus In Kufin. II. 78 ff. und die Verbotedes Kaisers Honorius beweisen; vgl. Troya I, 3. 1102. I, 4. 373 f- unt *oben S. 199.
3) Not. dign. Orient, c. 10 § 2, ed. Böcking I. 39, Not. dign. occid-c. 10 § 1, ed. Bock. I. 50 (wo solche zu Arles, Eheims und Trier erwähntwerden); vgl. Böcking zur Not. dign. imp. I. 245 f. II. 364 f. Hiehcrgehört Folgendes aus Glossarium Cod. Bern. 178 Saec. IX: Barbarin(1. Barbarica) subtulus (1. subtilis) in coloribus lineis operatio vcl auroornata, und aus Glossarium Cod. Bern. 236 Saec. X: Barbarica, opera subtiliter ornata. Semper Keramik etc. S. 562 N. 2 hält die Barbarica 111des spätem Alterthums ausschliesslich für Künstler, welche Metallarboit 011mit eingelegtem Golde und Silber verzierten (er citiert hiefür 0. Mhü erArcbäol. § 311); S. 576 N, 2 scheint ihm der Name BarbariearUifür Tauschierarbeitcr, anzudeuten, dass in späterer Zeit ausländische Technilcer die Kunst des Einlegens betrieben, oder doch dass barbarischer Deschmack darin Wurzel gefasst habe. Letzteres ist das nichtige.