300
falsch praefectus und urgiert unnützer Weise den BegriffFührer oder Gebieter, um Guntiar nicht als König gelten zulassen 1 . Er ist aber ohne Zweifel der Burgundionenkönig,der später bei den römischen Chronisten als Gundicarius ver-kommt 2 und in der Lex Burgundionum Tit. III Gundaharius,im Nibelungenliede Gunthere (Günther) heisst 3 . Der nach-malige Burgundionenkönig Gundobad nennt ihn in der LexBurgundionum a. 0. unter den regiae memoriae auctores,d. h. unter seinen Stammvätern königlichen Andenkens 4 , und
1) Ebenso Forel S. XXXI: prüfet des Burgondes.
2) S. unten z. J. 435 — 36. Diese Identität erkennen schon ValesiusBfr. III. 112, Lecointe a. 407 ff., II, und Bünau I. 527 b., welchen dieNeueren, wie Troya I, 3. 982. 988. I, 4. 436. 441. 483 u. A., folgen.
3) JvMüller GSE. I. 85 N. 9. und Werke I. 521, W. Grimm DHS-S. 12 ff. (= Pfahler S. 84), Troya I, 4. 436, Wietersheim IV. 255 unt.,261 unt. (S. 557 wird die Identität Gundicars mit Günther in unnötbigerScepsis nur mit einem „möglicherweise“ hingestellt) und WackernagelS. 390. Forel S. XXX f. berührt die Identität der drei Genannten miteinem Ton croit que —; er nennt sie aber S. XXX, angeblich nach denlateinischen Chronisten, ganz falsch Gondicarius, Gontiarius, Gondahar,und entstellt S. XXXIII N. 1 selbst den Gundaharius der Lex Burg. a. 0.in einen Gondaharius, indem er die von ihm befolgte französische Namens-form Gondahar in die Quellen irrig überträgt. Gund in Gundahar, wiein den späteren burgundionischen Königsnamen Gundeuch und Gundobad,ist das gothisehe gunth, Schlacht, Krieg (S. 101 N. 1) ; Forel S. XXXIÖvermuthet darin irrig eine patronymische Bezeichnung. Gundahar mussgenauer Gunthachar, wie A. Henne S. 22 schreibt, gelautet haben (JvMülIerI. 85. 87 und N. 17. 90 N. 30 schreibt stets falsch Gonthahar); darausentstund dann der römische Gundicarius. Char in Gunthachar ist, wie i®fränkischen Chlotachar, das aspirierte und in har abgekürzte althd. hari,Krieger; vgl. Wackernagel S. 365. Sonst ist goth. harjis, althd. han,altfränk. chari s. v. a. Heer. Pfahler S. 685 kennt nur erstere Bedeutungund denkt unnöthig an das althd. heri, her, Held. Gunthar (bei Greg-Tur. HFr. III, 6) oder Gunthachar (bei Fredegar HFr. epit. c. 37) hiessauch ein Sohn des Frankenkönigs Chlodomer, eines der Söhne Chlodwig 3aus der Ehe mit Chlotilde, der burgundionischen Königstochter, wahr-scheinlich zu Ehren ihres Urgrossvaters, wenn nicht etwa Guntheuca, Chlo-domers Gemahlin, eine Grossenkelin Gundahars gewesen ist und jenenSohn nach diesem benannt hat, wovon später. Freilich hatte auch Chlotar,Chlodomers Bruder, einen Sohn Namens Gunthar.
4) So heissen die Stammväter auctores dem Könige Sigismund beiAvitus Epist. 83, wo auctores mei gleichbedeutend mit proavi generis me*