439
jedoch Folgendes zu erinnern. Gallia Comata, mit welchemKamen Tschudi sein Werk über die Alterthümer Galliens,einschliesslich Helvetiens, richtig bezeichnet hat, hiess ursprüng-lich die ganze Gallia transalpina im Gegensätze zur italischendallia cisalpina, letzteres Wort im römischen Sinne genommen,Wogegen Fredegar als Franke mit seiner Gallia cisalpinaumgekehrt das diesseits der Alpen gelegene Gallien gemeinthat 1 ; in späterer Zeit bedeutete Gallia comata noch ganzGallien nördlich der Gallia Narbonensis und Aquitanica 2 .•le allgemeiner daher die Bedeutung der von Fredegar nebenLugdunensium provincia gesetzten geographischen Namen:Gallia comata et Gallia cisalpina, desto misslicher ist es, die-selben als bestimmte Benennungen besonderer, von den Lugdu-üensis verschiedener Provinzen zu interpretieren. Will manunter Gallia comata die Maxima Sequanorum verstehen, sols t zu bedenken, dass Fredegar an einer andern Stelle auchGugdnnum als in Gallia comata gelegen bezeichnet 3 , undWuft man sich, um Gallia cisalpina auf die Westschweiz
ric ht aber beziehe sich auf Lyon und die Yiennensis, deren Bewohner im457 mit den reichsabtriinnigen und später von Maiorian zur Gehorsam^brachten Lugdunensern gemeine Sache gemacht hätten. Forel S. XXYII f.' Vl ü Gallia cisalpina auf die Westschweiz mitbeziehen, weil Fredegar^hron. II, 36, bei Canisius II. 626, Aventicum als in Gallia cisalpina gelegenbezeichne und in Aventicum gelebt zu haben scheine; übrigens verfälltcr in den S. 264 f. gerügten Anachronismus.
1) Buinart zu Greg. Tur. Opp. S. 708 missdeutet bei Fredegar Galliac °inata auf ganz Gallien, Gallia cisalpina auf das italische Gallien. Inletzterm Irrthume sind auch Smith S. 83 und Binding I. 9 N. 24; erstererihut überdies Fredegar Unrecht, indem er sagt, nach diesem Chronistenhätten sich die Burgundionen auch im cisalpinischen Gallien niedergelassen,"Elches von ihnen nie occupiert worden sei.
2 ) Siehe die Dimensuratio provinciarum bei Schelstrate II. 527~~~ Demonstratio provinciarum in Classiei auctor. e codd. Yat. ed. cur.*ai° IQ 414 und yergl _ D’Anville NG. S. 5 und Walckenaer I. 232.282 - II. 231.
5) Siehe oben S. 255 N. Bei dem späten Gervasius Tilb. Ot. imp. inDeibniz SS. Ebr. I. 914 heisst es noch: sequitur Gallia Lugdunensis,ÜUae e t Comata a comis longis nuncupatur; ebenders. a. 0. I. 913 sagtgar; Galliam Comatam, id est Burgundiam.