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Auf die Zeit von Godegisels kurzer Herrschaft zu Yiennebezieht sich eine überaus dunkle Stelle in dem Briefe, dui’chwelchen Avitus den König Gundobad über den Tod einerTochter tröstet, welche mit einem auswärtigen Königssohnevermalt und der Hochzeit nahe war (Epist. 5). Die betreffendeStelle (bisher ein noli me tangere für die Historiker) lautetin unserer Uebersetzung, die zugleich als Commentar dient,folgendermassen: „Uns . . . kann es •allei’dings hart scheinen,dass die dem Hochzeitgemache nahe Jungfrau durch Krankheitvorher entrissen worden. Zwar möchte ich sagen, sie würdeallerdings noch mehr Ursache zu ihrem Beklagen hinterlassenhaben, wenn sie ihre Tage schon bald nach der Verlobungbeschlossen hätte. Denn sie hätte sich dannzumal vielleichtdort befinden können, wo nach der durch den Neid geschaffenenVerwicklung (post invidiae nodum) die Missgunst des Neben-buhlers (aemulus livor) einen Zahn des Hohns auf mich ge-habt hätte. Jetzt aber ist wol ein Gemüth so roh, dasses nicht die im väterlichen Schoosse des Königs geborgeneJungfrauschaft und Glücksstellung betrauern sollte * 1 ?“ Beiden Worten: „Denn sic hätte sich dannzumal“ u. s. w. wird alsbekannt vorausgesetzt, dass jene Tochter sich nicht lange vorder durch Godegisels Rivalität verursachten Reichsverwirrungverlobt hatte; ferner wird mit jenen Worten die Möglichkeitangedeutet, dass die Tochter sich damals zu Yienne unterAvitus’ Schutz und Pflege hätte befinden können, währendGundobad in Avignon von Chlodwig bedrängt wurde undGodegisel, des Erstem Rival, als Usurpator zu Yienne herrschte.— Es fehlt bei Avitus auch nicht an Anspielungen auf dieEinnahme von Vienne. Dass es bei derselben drunter unddarüber hergegangen, erhellt aus dem Ausdrucke notissimaperturbatio, mit welchem Avitus 2 dieselbe bezeichnet, indemer sagt, eine Sammlung seiner Epigramme sei in illa notis-simae perturbationis necessitate zerstreut worden. Vielleicht
Residenz, gesagt ist (S. 13. 23). Anders irrt Bornhak S. 223: obschon imUebrigen Gregor folgend und Genf als Godegisels Residenz richtig be-zeichnend, lässt er diesen im Triumphe nach Vienne zuriiekkehren (sic).
1) TJeber invidiae nodtis et aemulus livor vgl. S. 80 N. 1.
2) Opp. S. 214,