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Zweiter Band.
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Der Jura als Grenze zwischen Burgundien und demsogen. Alamannien hei Gregor von' Tours; die Alaman-nen der Vita S. Eugendi.

Weit eher als die hievor erörterte Darstellung des Cos-mographen von Ravenna scheint für die südwestliche Aus-breitung der Alamannen in der Schweiz zu sprechen, wasGregor von Tours mit Bezug auf das erste Auftreten unddas Wirken der Anachoroten Lupicinus und Romanus überBurgundien und Alamannien beibringt. Er sagt nemlicherstens 1 * * * S. * * : Parentibus relinquentibus saeculum, hi (die Genann-ten) communi consensu eremum petunt; et accedentes simulintcr illa Iurensis descrti secrcta, quae inter BurgundiamAlamanniamque sita Aventicae adiacent civitati, tabernaculafigunt 8 ; weiter: scd et his deinceps ampliatis tertium infra

Caesar [RG. IV, 3] pflegten die benachbarten Stämme der Germanen einenbeträchtlichen Strich zwischen sich öde und unbewohnt zu lassen, und jebreiter dieser öde neutrale Boden, desto ruhmvoller sei es für die Anwoh-ner. Da nun der deutsche Canton so spät, ja am Spätesten von allen

Schweizeroantonen urkundlich auftritt [doch schon im 8. und 9. Jahrh.],

so dürfte eine solche Grenze, auf welcher gewiss oft kriegerische Begeg-nungen stattfanden, anzunehmen und so die Ungewissheit der ältesten

Grenze zu erklären sein.“ Aehnliclicr Ansicht ist schon Belloguet CRI5.

S. 95, jedoch lediglich mit Bezugnahme auf die übertreibenden Schilde-rungen, welche JvMüller von der frühmittelalterlichen Verödung derSchweiz macht. Hiergegen ist jedoch vorerst zu bedenken, dass, wollteman die Darstellung des Cosmographen für erschöpfend halten, die ausAthanarit betreffs Alamanniens geschöpften Angaben desselben älter sind,als die über Burgundien aus Castorius (S. 104 f.); dass folglich die beidsei-tigen Nachrichten wegen ihrer Unglcichzeitigkeit im vorliegenden Fallekein sicheres Bild gleichzeitiger Besiedlungszuständc geben können. Fer-ner: hätten wol die in römischer Zeit gegründeten Bisthümer Windiscbund Aventicum, deren Existenz im J. 517 beurkundet ist (S. 349 ff.), bisdalvin in unbewohnten Länderstrecken fortbestehen können? Ueberhaupt^her ist es sehr gewagt, Zustände, wie die von Caesar erwähnten, auf

die frühmittelalterlichen Zeiten des gegenseitigen Drängens der germani-schen Völker überzutragen.

1) Vit. Patr. I, 1, im Auszuge bei Bouquet I. 648.

2) Es folgen in der Erzählung: geistlicher Lobgesang der Anachore-ten und ihr Leben von Wurzeln; sodann (Vit. P. I, 2) ihr Ruf beimVolke und Gründung des Klosters Condatiscone (später S. Eugendi, St.-Oyan, und S. Claudii, St.-Claude, nach Ruinart; s. oben S. 354); ausser-