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Das Licht ist dem Auge angenehm, zuviel aber schmerzt und blen-det ; Töne kitzeln das Ohr, und betäuben und zerfleischen es auch; dasSüße behagt, und macht auch Ekel und Erbrechen; Wohlgernchc er-regen alle Lebensgeister, aber auch Ohnmacht und Schlagfluß; Kitzelist angenehm und macht Lachen, zuletzt aber erfolgen Convnlsioncn undTod. Gehängte, Erfrorene, Ertrunkene, Verblutete, die noch vor demgänzlichen Tod gerettet wurden, empfanden einen weit wollüstigerenKitzel als der Krätzige, der sich kratzen darf, wo es ihn juckt. Ich binüberzeugt, daß alle Menschen bei der Annäherung des letzten Augen-blicks den Kitzel empfinden, den Theologen luminositas luois pi-ima> >genannt und für den Blick der Verklärung genommen haben. Mitverzogenem Gesicht lachen heißt im Niederdeutschen Griuen (Greinen),und die Philosophen hätten den Menschen eben so gut Thränen- oderWcinthicr (letzteres wäre doppelsinnig) nennen dürfen, als sie ihn Lach-thicr genannt haben.
Kindern, die noch nicht reden können, ist Lachen und Weinen Na-turausdrnck ihrer Wünsche und Bedürfnisse, ihres Wohlgefallens undMißfallens; sie zittern bei ihrem Eintritt in die Welt wie der Ver-brecher vor dem Blutgerüste, das ihn wieder hinausschafft; das Lichtschmerzt die Augen des Kindes, wie die Lust seine Lunge; es liegt danackt und hülflos wie kein anderes Thierchcn. Die Kinderwärtcrinnimmt die Schürze über den Kopf, das Kind weint oder wird ernst,sie nimmt sie wieder weg und das Kind lacht. So verwandelte MeisterRubens ein lachendes Kind in ein weinendes mit einem Pinselstrich,und das weibliche Geschlecht besitzt, ohne Rubens, dieselbe Fertigkeit.Thränen der Männer sind gefährlich, bei Weibern bedeuten sie oftweiter nichts, als daß schöne Weiber noch schöner dadurch werden; undgewisse Mädchen können bitterlich weinen, aber kaum ist man vor derThüre, lautes Lachen aufschlagen. Lachen und Weinen verhalten sichwie Sonnenschein und Regen, und die unfeinen Platten sprechen: „Watener wcnct, dat pisset er nich." Lachen und Weinen ist eine Univer-salsprache selbst bei Erwachsenen; sie wurde in den: langen Kriege garoft gesprochen mit den Gästen von der Seine und von: Don, und manverstand sich ohne Dolmetscher.
Gewöhnlich weinen die Kinder früher, als sie lachen; sie lachen,wie Aristoteles will, nie vor dein vierzigsten Tag, und weinen oderwimmern, wie St. Cpprian der Kirchenvater versichert, um die —heilige Taufe. Die Natur gab dem hülfloscn Wesen das zauberische
> Die Helle des ersten Lichts.