45
Lächeln, womit es mehr Liebe gewinnt als mit Heulen; es ist dasliebliche Morgenroth der beginnenden Vernunft an der Stelle desSchlafes und der niedrigsten Sinnlichkeit, die sich dann mit der Spracheweiter entwickelt; daher auch der sinnige Grieche Vernunft und Sprachemit einem Wort ausdrückt: Den Alten galt auch das frühe
Lachen der Kinder für eine gute Vorbedeutung, und die Traditionist nicht unrichtig, daß Zoroaster schon am Tage seiner Geburt gelachtund die Hand der Wehemntter vvm Kopfe geschüttelt habe, so starkschlug ihm das Gehirn. Gargantua verschob das Lachen vierzig Tage,'um den Physiologen kein Aergerniß zu geben; dafür aber rief er mitstarker Stimme: ä boirs! - Mit dein Lachen und Weinen geht es,wie mit dem Nicken und Schütteln des Kopfes, statt des Ja und Nein,und die Halsmuskeln sind gleichsam der Rammbock der Seele, oderdie Läufer der Mühle. Nur die abenteuerlichen Rabbincn behaupteten,daß aus einem lächelnden Kinde die Tcnflin Lilis lächle, und man esdreimal auf die Nase schlagen muffe. Daher ist der christliche Glaubechristlicher oder romantischer, das; die lieben Engelein mit dem Kind-lein spielen, wenn es im Schlummer lächelt; eigentlich rührt es abervon Säure im Magen. Das meist schlummernde Kind von ü bis 8Pfund sängt in der Regel im dritten Monat an zu lächeln und zuweinen; vollendetere Kinder von 14 bis 15 Pfund, wie ein KindSchlözerS, von dem sein ewiger Spötter Kästuer sagte: „Schlözcrwisse allen seinen Werken einen eigenen Nachdruck zu geben," lachenvielleicht früher. Stach dein Lächeln, dieser ersten Knospe der Mensch-heit, kosten die zweiunddrcißig Zähne, die nach und nach erscheinen,manche Thräne — die Schneidcztthnc, Hundszähne, Backenzähne und zuallerletzt die vier Wcisheitszähnc, die bei Manchen ganz ausbleiben.
Thiere können eigentlich nicht lachen, dafür bcschreicn sie aberauch die vier Wände nicht beim Anblick des Weltenlichts. Sie bezeich-nen ihre Freude durch eigene Blicke und Sprünge, wie der Hund, dermit dem Schwänze wedelt; die Katze schnurrt, das Pferd wiehert, derVogel hüpft, zwitschert und schlägt mit den Flügeln. Weinen aberkönnen Thiere, als ob Mutter Natur die Mißhandlungen des Men-schen vorausgesehen hätte; sie weinen aus Anstrengung, Hunger undKummer. Vater Homer läßt die Pferde des Achilles weinen über denTod des Patroklos — diese Pferde konnten ja auch sprechen. DerStrcithcngst Aethon weint beim Lcichenpomp des Pallas; aber wasHomer, Virgil und Dichtern erlaubt ist, ist uns nicht erlaubt. Richtig
> Rab-l.U'N Rrm.in. - - G-bt mir ;>> trink«,,!