Wcr wünschte nicht abzuscheiden mit dem letzten Himmclslächcln desTugendhaften? Wenn sich über das blasse Gesicht des Todten Ruheverbreitet und um seine Lippen die Spur jenes leisen Lächelns, so sagtes den Umstehenden: „Warum weint Ihr? Bin ich nicht erhaben überalle Eure Thorheiten hienicdcn? Ruhig im Bewußtsein treu erfüllterPflicht, gehe ich dem Etwas oder Nichts entgegen." — Man sagt:„bis zum letzten Seufzer," schöner wäre: bis zum „letzten Lächeln"
— es ist das Lächeln des Ueberwinders!
„Ich lobe mir den Mann, der den Schlaf erfand" sagt Sancho
— und ich den, der das Lachen erfand, was vermuthlich Adam that,als er Eva erblickte. Es stärkt, wie der Schlaf, Leib und Seele, undist das wahre Oel der Lebensweisheit. Nur das gemüthliche, harm-lose Lachen des Sanguinikers, der Alles in rosenfarbenem Licht er-blickt, und das demokritische Lachen, das aus dein Geiste entspringt,ist ächter Art, gegründet auf Frohsinn und freiere Ansicht des Lebens.Aristoteles antwortete auf die Frage: warum gefällt das Schöne? —„das ist die Frage eines Blinden." Macht nicht das Lächerliche einenTheil des Schönen? Und wenn die Lehre von den angenehmen Em-pfindungen Hauptgcgenstand der Aesthetik ist, was ist ästhetischer?Kalligone wird freilich oft mißverstanden, denn schön kommt von schei-nen, wie Schöndcnker, Schönschreiben und Schönfärber, was Damenohnehin wohl wissen; aber, von der Wiege bis zum Grabe, vom Tauf-stein bis zum Leichenstein und den letzten Ceremonien mit uns, überdie wir nicht mehr lächeln können — gaukelt nicht überall Hauswurstum uus her?
m.
Physiognomie des Lachens, Natur- und Kunstlachen.
Kein Menschengesicht gleicht dem andern und so auch kein Lachendem andern, selbst der starke Lachlaut ist so verschieden, als die Stimme,daher man auch an beiden seinen Mann erkennt. Es läßt sich selbstein Nationallachen annehmen, weil die Schädel verschieden sind, undder Neger mit seinem breiten, 'platten Gesicht, breiten Mund, einge-