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drückter Nase, dicken Lippen und vorgeschobenem Kinn muß anderslachen, als der Europäer. Ein Mann mit einem Barte lacht schonanders, als der, den der Barbier geschunden hat, das Weib mit fei-nerer Organisation anders, als der Mann, und die Franzosen, diemehr lachen als alle übrigen Europäer, lachen mit den Zähnen, bei'nahe wie Affen.
Höhere Kultur und verfeinerte oder verschlimmerte Sitten schufendas Kunstlachcn, so himmelweit von deni Naturlachen verschieden, alsdas Anlächeln der Kinder von dem vor einem Spiegel einstudirtenLächeln der alternden Buhlerin, der Höflinge und Diplomaten — ver-schieden wie die Schminke der Dame von den Rosen des Landmädchens.Es gibt aber dennoch eine Physiognomie des Lachens. Naturlachcnüberschleicht den Listigsten zu Zeiten, und bei dem Kunstlachen darfman in der Regel das gerade Gegentheil annehmen, wie bei gewissenLachern, die da sprechen: „dazu lache ich nur," wenn sie lieber weinenmöchten. Man sieht es zwar Keinem an, wo ihn der Schuh drückt,aber nicht Alle lachen, die das Manl breit machen.*
Abbä Damasceni ging zu weit, wenn er die Temparamente anden Endvokalen ihres Lachens erkennen und die Hahahalacher in Cho-leriker, die Hehehe in Phlegmatiker, die Hihihi in Melancholiker unddie Hohoho in Sanguiniker abtheilte. Es hätte sich auch noch ein Hu-huhucharakter auffinden lassen für das hypochondcr-hystcrische Tempe-rament, wenn damals vier Temperamente nicht stereotyp gewesen wären.Etwas Wahres liegt doch in der Grille; in der Regel drückt sich dasvolle, laute Lachen durch ein A aus — das spöttische, grenzende nähertsich dem E — das Kichern und verhaltene Lachen der Jugend und desschönen Geschlechts gleicht dem I — das frohe Lachen der überrasch-ten Freude dem O, und das 1l scheint für das Weine» gemacht zusein, oder für das Lachen bis zum Ersticken, wo man roth und blauund das Lachen theuer wird. In der Regel lachen Männer in A undO, Weiber in E und I, aber überall geht der Consonant H denVokalen voraus; ein Beweis weiter, daß unsere deutschen Sprach-drechsler, die wohl nur selten lachten, Unrecht hatten, das H verban-nen zu wollen. Nur wenig ist über das Weinen glossirt worden; derGegenstand ist zn traurig und die ersten Menschenlaute sind so kläglich,als das Mi-mi des Rehkitzchens.
Hans Caspar Lavatcr, der durch seine Physiognomik eine solche
» ^larovisii OsIatn-oopiL seu vivinntio vx Iris», Iknpal. lSII. 4. habe ich nicht fin-den können, »nd schon Lcssing und Nikolai suchten vergebens nach diesem Buche.