Unter Cromwcll feierte man den Sonntag so finster wie die Judenund noch heute kopfhängerische Mucker und einzelne melancholischeBrittcn. Karl II- fiel auf ein anderes Extrem und befahl sogar vonder Kanzel herab, lustig zu sein; der Prediger verlas das köuigl. Re-script und sagte: „So ist der Wille des Königs," dann verlas er aberauch das dritte Gebot: „So lautet der Befehl Gottes; wählet!" DieseWahl wäre nun wohl die vernünftige Mittclstraßc; denn Jesus selbstsagte: „Der Sabbath ist um des Menschen willen gemacht, und nichtder Mensch um des Sabbaths willen." Wir haben zweiundfünfzigSabbathe im Jahr — das möchte genüge»; aber warum noch Apostcl-uud Maricnfeicrtage, WcihnachtSfcricn, Osterfericu, Pfingstferien,Herbstfericn und Brunnenferien vom SO. Juni bis t. September? Ichwundere mich, daß wir keine Frostfericu und feierlichen Winterschlafhaben; aber warum auch noch den Sabbathsabend verbittern, wennman zweimal in der Kirche gewesen ist?
Die vielen Feiertage sind Mißbräuche, die nur Pfaffen, Wirtheund Musikanten begünstigen können; aber geheiliget sei der Sonntag,der, abgesehen von Erweckung religiöser Gefühle, die so leicht imStrudel der Welt untergehen, der einzige Tag in der Woche ist,welcher der zahlreichsten und nützlichsten Mcnschcnklasse sagt: „Auch ichbin freier Mensch." Am Sonntag, dessen Name schon lächelt gleichder Sonne, träumt sich der Landmami und Handwerker im reinlichenSonntagskleid gleich den Andern; der Gedanke an den Sonntag stärktihn die ganze Woche bei seiner Arbeit, und nur die Arbeiter fühlenden menschenfreundlichen großen Sinn dieses Tages, der auch dieThiere angehen soll, die es aber gerade an diesem Ruhetag oft amhärtesten haben. Seit die höher» Klassen nichts mehr vom Sonntags-kleide, und die niedern nichts mehr vom Bratenrock der Bitter wissen,hat Freidenkern und Schweigern offenbar zugenommen; indessen, wennman sich auch tvenig um die Kirche kümmert, nimmt man doch Sonn-tags mehr Rücksicht auf die Küche. Noch heute haben von der Knaben-zcit her Sonn- und Feiertage etwas Feierliches für mich; die ganzeWoche in der Schule und am Pult, erschien nothwendig der Sonntagals Freilassung; man kleidete sich besser, man aß und trank besser,und mein Großvater gab mir sogar einen Kreuzer, wo nicht gar einenGroschen. Damals war man höchstens Sonn- und Feiertags außerdem Hause, weil man zufrieden war — im Hause.
leostivitss heißt in lateinischer und spanischer Sprache Fröhlichkeit,