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Wcg leitete, half auch hier wieder, und daher verachte mir Niemanddie Ehe, die für Kurzsichtige und Blinde doppelten Werth hat.
Manches Ernste nnd Ehrwürdige scheint oft einer lebhaften Phan-tasie lächerlich. Sie sieht in den vielen Bildsäulen der Päbste, diemeist sitzend und vorgcbückt dargestellt sind, nicht den alten heiligenVater, der den Segen ertheilt, sondern einen Greis, der an Ver-stopfungen leidend auf dem Nachtstnhlc sitzt, und so dachte ich mir stets,wenn ich als Erlangcr Student einen alten Nürnberger Rathsherrnsah im Wolkcnkragcn, vicllockigcr Perrücke, schwarzem spanischem Kleideund langem Degen, mit dem ganzen steifen rcichsstüdtischcn air ooin-xosL, das von mehr Dünkel als innerem Gehalte zeugte, recht mnth-willig, wie das lassen müßte, wenn er in diesem imperatorischen An-züge erhitzt vom Rathhause herab in seinem Zimmer der Zofe — eineDiversion machte! Die Phantasie, die mit unserer angeblichen Freiheitihr leichtfertiges Spiel treibt, kaun so weit gehen, daß wir eine Hand-lung, die wir zu begehen fürchten, gerade begehen, wie Jean PaulsPrediger Schmclzle, der, znm Tische des Herrn tretend, den Einfallhatte: „Wie, wenn du jetzt lachtest?" immer ängstlicher sich nahte nndlachte! „Aber um Gotteswillcn," sagte ihm sein Nebenmann, „sindSie ein Geistlicher? lacht der Gottseibeiuns aus Ihnen?" „Ach Gott!"seufzte Schmclzle, „wer denn sonst?"
Unser Jdcengang hängt von physischen Gesetzen ab, daher ist solcherin der Jugend, im Fieber, im Rausch, im Zorn oder in der Begeisterunglebhafter; jnngenLeuten ists oft unmöglich, auswendig gelernte Rcdestückeplötzlich abzubrechen, das Rädlein läuft, nnd selbst ältere sagen in derLebhaftigkeit mehr als sie wollten. Die Hitze wirkt mächtig auf die Phan-tansie, daher die größere Lebhaftigkeit südlicher Nationen; anhaltendesSitzen und hitzige Getränke wirken ebenso, daher die lebhaftere Ima-gination der Weiber; die thätige Welt liefert weit weniger Phantastenals die sitzende Welt der Gelehrten, nnd der Schneider, Schuster nndLeineweber; bei Wahnsinnigen spielt Einbildungskraft ohnehin dieHauptrolle. Am gespanntesten ist wohl die Phantasie der Schwängern,vorzüglich ihre Schreckbarkeit; ihre Produkte müssen dies oft entgelten,und ich weiche noch heute gerne Schwängern aus, da ich einige son-derbare Erfahrungen von ihren Gelüsten gemacht habe. Die Rcchts-gelehrten haben Unrecht, Schwangere nicht als Kranke, sondern alsGesunde anzusehen — doch vielleicht wollten sie schlau den vielen Visi-ten schon vor dem Wochenbette dadurch vorbeugen.
Sei auch das Spiel der Phantasie noch so komisch und selbst