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IX.

Die Einfachheit und Lebensweisheit.

Eins ist noth! Eins begreift das Zeitalter, dem das Ueberflüffigezum Nothwendigen geworden ist, nur wenig, die größte Tugend derAlten und eine der Hauptquellen des Frohsinnes — Einfachheit. Jesusspricht vom einfachen und bösen Auge und warnt, daß nicht das Lichtin der Finsterniß sei; Helvetius aber beantwortet die Frage: „Wer istglücklich?" Ein junger, gesunder, geschmackvoller Mann mit einerMillion! Verdeutsche Cicerone zu Nom, Reifenstein, meinte hingegen,der sei glücklich, der arm und nnabhöngig sei, und verstand unter armwohl bequemes Auskommen (denn bei Reichthum kann wahre Unab-hängigkeit in der That nicht bestehen), und hatte mehr recht als Hel-vetius; beide aber vergaßen doch noch etwas — gnte Laune!

Sokrates, arm, verfolgt und zu Hause noch von einer Xanthippegequält, bleibt heiter und zufrieden; der noch ärmere Epiktet ersetzt dieihm gestohlene eiserne Lampe durch eine von Erde, die keinen Diebmehr reizen konnte, und Regulns bittet um einen Nachfolger im Com-mando, damit seine Familie auf seinem sieben Morgen großen Land-gute, beim Tode des Verwalters, nicht Noth leide. Wie verschiede«sind unsere Sitten! Nicht bloß das Leben der höher» Welt, sondernselbst der Mittelklassen, ist ein wahres Komödiantenleben, und wen«man zuletzt sogar schlecht handelt, so ist nichts schuld, als das Heerüberflüssiger Bedürfnisse. Rettung liegt nur in Rückkehr zur altenEinfachheit und zur Natur, und dieser Weg ist nicht beschwerlicher undenger als der, den wir Alle schon einmal gegangen sind, und minderbeschwerlich als der, den wir Alle zuletzt gehen müssen. Das Zusam-menschlagen zweier Bretter in der ersten Kirche (und noch in der stillen

l Komm, Pilger, Sorge» sei'» gen,jeden!

Gar eitel ist der Sorge» Drang,

Der Mensch braucht wenig nur hieniedenUnd braucht bieb Wenig« nicht lang.