Band 
[Erster Band. - Zweiter Band.]
Seite
225
JPEG-Download
 

225

XVIII.

Der Schlich.

Wird das Lächerliche durch die Kunst, durch Schriftsteller, Schau-spieler rc. hervorgebracht, so kommt das Wohlgefallen au der Voll-kommenheit der Kunst hinzu und an der Scelenthätigkeit, die wir beiVcrglcichung derselben mit der Natur, bei dem Gefühle derselben undbei Beurtheilung des Kunstwerkes finden. Einige suchten daher denGrund unseres Lachens in der Bewunderung aufzufinden, da doch ge-rade da, wo Bewunderung anfängt, das Lächerliche aufhört. MitEntzücken und Bewunderung sehen mir den majestätischen Auf- oderNiedergang der Sonne auf dem Lande und unendlich mehr noch aufdem Meere; mit Freude und Bewunderung erblicken wir Canova'sMeisterwerke, gleich den Antiken, aber wer Hütte je dabei gelacht?Moliäre wird jetzt mehr bewundert als im Leben, aber zu seiner Leb-zcit machte er mehr lachen. Das Lächeln bei grasten und erhabenenGegenständen beweist indessen die nahe Verwandtschaft, und der er-höhte Ausdruck der Freude hat wieder seinen Grund im Reize derNeuheit, diesem angenehmen Grundgefühle der Mcnschcnnatur.

So wie wir uns im gewöhnlichen Leben des Scherzes oder desabsichtlichen Scheins einer Ungereimtheit erfreuen, so sucht uns diekomische Kunst durch einen gleichen Schein zu belustigen, indem sie dasUngereimte in das Gebiet der Dichtkunst erhebt und uns durch denZauber eines begeisterten Mnthwillcns aus der Beschränkung derWirklichkeit reißt. Aber um diesen Zweck zu erreichen, darf sie nichtin den engen Raum des moralischen und politischen Pferches einge-zwängt werden; um Freiheit darzustellen, muß man selbst frei sein,nud daher gute Nacht komische Kraft und komische Kunst des neun-zehnten Jahrhunderts! Nein, ich hoffe! — ich dachte mich bloß wiederzurück in das Zeitalter unseres großen Protektors.

Da, wo das Sonderbare anfängt, gelangen wir über die Grenzedes Großen, Wahren und Schönen in das Gebiet des Komischen, unddas non plus Ultra dieses Sonderbaren ist der Charakter des Menschenund war der Charakter des Jahrhunderts Napoleons, wo diejenigen,die es so tauften, frei zu sein oder doch es zu werden glaubten. SieDcmvkntoS. I. 15