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kannten vielleicht die Fabel, wo ein ganzer Völkerschwarm einen Ka-, narieuvogel im innern Bauer neckte, daß er nicht frei sei, und zuletztsich über die Freiheit selbst herumstritt als echte Vogclphilosophen. DerKanarienvogel sagte: „Freunde, wenn ihr streitet, ob ihr in einemKäfig seid oder nicht, so ist's so gut, als wäret ihr darin!"
Der fünfte Hauptgrund unseres Lustgefühls am Lächerlichen ist dieplötzliche Aufregung der Lebensgeister durch überraschenden Widersinn,gleichviel ob derselbe wahr oder scheinbar, anschaulich oder abstrakt,in sich selbst oder gegen etwas Anderes gehalten sich darstellt. Aneiner Gasttafel vermißte der Wirth einen silbernen Löffel; Jeder erbotsich, seine Taschen umzuwenden. „Nein! nein! aber belieben Sie dieKöpfe einen Augenblick unter den Tisch zu stecken. Haben sie Alle dieKöpfe unter dem Tafeltuch?" — „Ja, ja." — „Auch der, der denLöffel hat?" Mechanisch antwortete dieser: „Ja!" Der Uebcrraschteschlich sich nicht nicht lachend fort, alle Ucbrigcn aber ersetzten ihn durchunbändiges Gelächter. Selbst Verzweiflung, wenn sie in ihr schauder-haftes Lachen ausbricht, lacht über Widersinn: die Bosheit kommt ihrso unerwartet und so grell vor, daß sie allen bisherigen Ideen wider-spricht. Hohngelächter aber ist bloße Grimasse des Lachens, um denVerhöhnten noch tiefer zu kränken. Selbst das schmerzhafte Lachen beiWunden des Zwerchfells, bei Hysterie, Zoru, Kitzel rc. beweist, daßzum eigentlichen angenehmen Lachen der erregende Geist gehöre, undsolches mehr Nachklang des Geistigen in uns, als Einfluß des Körpersauf den Geist sei.
Sclbstthätigkeit ist das Wesen unseres Ichs und Hindernisse desselbensind Quellen menschlicher Unlust; Alles aber, was unsere Thätigkeiterweitert und erhöht, gewährt unS Lust — variatio ckolootat, ' unddahin gehört auch das Aufspüren, die Beurtheilung der Ungereimtheitenund das Hineindeuten in den Gemüthsstand des Belachten. Es gibteine eigene Anlage, das Lächerliche aufzusuchen, gegründet auf Bcob-achtnngsgcist, die- nichts weniger als willkürlich, folglich auch nichtunmoralisch genannt werden mag; aber sobald sie in Medisance aus-artet, so bringt sie uns leicht um die Freundschaft Anderer, machtungerecht gegen sonst achtuugswürdige Personen, und uns selbst zueitcln Witzlingen, die Witzkitzel für Genie halten, und Hunderte werdendadurch von wichtigern Anstrengungen zur Erlangung solider Kennt-nisse abgehalten gegen einen, der sich selbst vcrläugnend seinen Witzverschließt im Schrein eines guten Herzens,i Abwechslung crgkht.