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Philosophen Sentenzen und Maximen nennen, und eben so gutwenigstens als ihre Hypothesen. Lichtenbcrg hat den Scharfsinn miteinem Vergrößerungsglas, Witz mit einem Verklcinerungsglas ver-glichen; auch mit dem letztem macht man Entdeckungen.

Bodmcr, einst Dictator wie Gottsched, nannte etwas, schweize-risch den Witz eine Kratze des Geistes, und diese Krankheit blieb auchferne von ihm, wie von seinem noch platter» und dreißig Jahre hin-durch schimpfenden Gegner Gottsched, so sehr dieser auch in die feinernFranzosen verliebt war. Seume aber, der dem Witz denselben Ekel-namen beilegt, litt wirklich an dieser Krankheit, daher er auch richtigbemerkte: „Diese Krätze juckt sich heraus, ist einem festen Körper ge-sund, kann aber ein Körpcrchen aufzehren." Wollen wir in Gleich-nissen sprechen, so ist wohl die Biene besser, der Witz summt wie sievon Blume zu Blume (auch wohl um die Ohren), saugt überall Honigund summt weiter mit leichtem Flügel; für die, die ihm zu nahe kom-men, hat er auch den Stachel. Der Witz pflegt auf Lachencrregenauszugehen, und so könnte man ihn auch den Bajazzo des Verstandesnennen. Witz ist ein Liebhaber der Kürze, daher liebt er Wortspiele,und gar viele halten Wortspiele für den Witz selbst.

Witz gedeiht nur in freier, sorgenloser Stimmung, wenn dasGemüth ruhig und von keiner Leidenschaft zerrissen ist, wie das Lächer-liche überhaupt: Witz, vorzüglich der beißende, verstummt vor einembekümmerten Herzen und beim Sitzen im Fegefeuer — Betrübniß undLeiden machen gntdcnkcnd und sanft. Witz, wie Humor, ist ein selte-nes Geschenk des Himmels, das Leichtere ist zugleich das Schwerste,und eine Pflanze, die auf unserem etwas schweren deutschen Boden,der noch überdies in zu viele Hufen vertheilt ist, nicht so häufig ge-funden wird. Lebhafte Einbildungskraft, die so gerne Schlösser inSpanien baut und doch immer die trcncste Freundin ist, die MutterNatur in Pandorens Büchse gelegt hat, wenn sie gleich Malebrauche1a koN« <1u logis ' nannte, macht die Hauptgrundlage des Witzes, aberkeineswegs die einzige. Ernst und Scherz sind die zwei Naturen desMenschen, jener die göttliche, dieser die menschliche Natur.

Die Einbildungskraft, diese holde Lebensgefährtin, die uns oftdann am seligsten macht, wenn die Vorübergehenden bloß einen me-lancholischen Kopf auf zwei Ellenbogen gestützt hinter dein Fenster er-blicken, leitet den Witzkopf mehr als der Verstand. Dieser zergliedertund entwickelt jeden Begriff, die Phantasie nimmt das Ganze mit

> Die Verrückte im Hause.