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schleudert, ohne zu sengen. So mag Voltaire au Friedrichs Tafelgewesen sein. Sein leichter, glänzender Geist umfaßte das ganze Ge-biet des Wissens, und die neuen und schönen Formen, in die seinWitz Alles zu kleiden wußte, wirkten mächtig auf seine Zeit, auf Män-ner nnd Weiber, Hohe und Niedere, Geschäftsmänner und Gelehrte,Alt nnd Jung nnd auf ganz Europa. So wirkte Voltaire mehr alsder genicvollcre, bessere nnd tiefere Rousseau, und ich kann diesemSatan Alles verzeihen, selbst seine Oberflächlichkeit — non omniaxossiiinna 0MNV8 * — nnr nicht seinen gänzlichen Mangel an Ge-müthlichkeit. Die herrlichsten Wahrheiten, niit finsterer, polternderStirne vorgetragen, haben noch nie Herzen aufgeschlossen, und PaterAbraham a Santa Clara stiftete wahrlich mit seinen Kasperliadenmehr Gutes, als hundert Superintendenten mit ihrer Gelehrsamkeit,wenn es Jhro Hochwürden nicht übel nehmen »vollen, die, wenn auchalles Uebrigc in Ordnung ist, viel zu hohe Begriffe vom Leben, wievon ihrem Hirtcnamte zu haben scheinen, was sie so finster und traurigmacht, wie ihre weiland Pcrrücken vicllockigen Andenkens. Ein gut-denkender Witzkopf ist wegen seiner Aufgewecktheit beliebt wie dasEichhörnchen, beißt nnr, wenn man ihn gröblich neckt, und beleidigtnie, ohne lange genug geknurrt zu haben.
In Deutschland halte ich Prinz von Ligne für das größte Witz-genie, nämlich im Convcrsationswitz, den eine bedeutende Physiogno-mie und ein angenehmes Sprachorgan hoben. Jedes Ereignis;, jederZug, jedes Wort konnte in Ligne einen Witzfunken wecken, nnd dieFunken folgten wie bei Stahl nnd Feuerstein. Aus seinen zahlreichenSchriften, selbst aus seinen Briefen lernt man ihn nicht kennen; manmußte ihn zu Wien persönlich kennen lernen nnd sagen: Hier ist mehrals Voltaire! Er hatte freilich einen großen Vorsprung vor andernWitzgcistcrn, daß er Prinz war, angesehen bei Hofe nnd im Staate,nnd so durfte mir er ohne Gefahr einem Manne, der in ein ungc-mcssencs Lob eines Ministers ansbrach: sagen: »Uoimiaur, voim Liestrvmxö, troinpvttv au trompenr." 2 Richt selten wurden auch durchUmlauf oder Uebersctznng seine schönsten Witzworte entstellt, wie das,was er einem gewissen Minister sagte, der von Napoleon ein prächti-ges Porccllanservicc erhalten hatte: „Kervive xvur aervieo." DieWiener übersetzten: „Porcellan für Porcellan," und verwandelten so,wie gar oft Dienstboten, die Complimente ihrer Herren in Sottiscn.
1 Nicht Alles können wir Alle- — 2 Herr, Ihr seid ein Betrogener, eine Trompete oderein Betrüger. (Der Witz läßt sich nicht wiedergeben, weil er nur im Klänge der Worte liegt.)