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herrscht aber noch Gesicht nnd Indignation da, wo in Frankreich bloßWitz und Persiflage herrschen, nnd wir lassen allenfalls noch einenSchurken und schlechten Kerl merken, daß er ein ot ewtsra sei, nnddas ist freilich bürgerlich, daher leider auch im Abnehmen. Aber wahr-lich, diese Privatstrafc unserer ehrlichen Alten wirkte oft mehr alsöffentliche Strafe, und ich kenne nichts Unverschämteres, als wenn einMann, der keine Achtung verdient, über Mangel an Achtung renom-mirt und ganz vergessen kann, was er ist nnd Andere auch wissen,wenn sie es auch nicht sagen mögen.

In Frankreich ist die ganze Nation witzig, bei uns bloß derAusschuß, und dafür haben wir auch, gleich den Britten, gediegenernWitz als Franzosen und Italiener. Gerade die kältern Nationen imLeben blühen mehr im Schreiben; der Britte, sagt Hippcl, hat Baß-,der Franzose Diskantsaiten, und aus einem englischen Gedankenmacht der Franzmann ein halbes Dutzend, sowie wir Deutsche ausvier englischen Qnartantcn zwei Oktavbände machen, jedoch mehr intypographisch-ökonomischer Hinsicht. Unsere Sprache ist so tief undgründlich, daß ausländischer Witz nur übersetzt zu werden braucht, umdessen Armseligkeit mit Händen zu greifen. Der deutsche Witz soll,wenn uns Gott leben, gesund nnd witzig sein läßt, halb französisch,halb englisch, Tenor sein. Alles hat seine Zeit, sagt Salomo, Lachen,Weinen und Witz, und wir dürfen schon einmal anfangen, den Gra-zien zu opfern; nur Schade, daß die Werke des Witzes meist ein Ver-wesliches und Unverwesliches vereinen, wie beim Menschen, understeres, oft das Beste, für die Nachwelt verloren geht. Die größteSünde in der Welt ist die Sünde gegen das Tempo; Jeder hat seinTempo, und nur Wenige mehr als ein Mal. War unser Tempo schonoder soll es noch kommen?

Sonderbar, daß sich Witz oder Hauptanlagen dazu unter uns dazeigen, wo ihn wohl die Wenigsten suchen, und bei einer Bolksklasse,die den Komiker so gut beschäftigen kann als den Staat, zumal wenndie alte württcmbcrgische Landesordnung Recht hätte, die solches „nagendeund schädliche Würmer nennt, welche die Armen mit ihrem Wucher inVerderben und Sterben richten" — bei den Juden. Unter allen nochnicht erloschenen Völkerstämmcn sind sie das älteste Volk, das sich dreistmit dem ahncnrcichstcn Adel messen darf, nnd sich überall findet, woRcvech zu machen ist. Ihre Dukatenbeschneidung ist weiter nichts alseine fromnie Allegorie ihrer eigenen fehlenden Vorhaut, und sie sindschon ausgezeichnet durch geistreichere Physiognomien und Lebendigkeit,