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Lächerlichmachen heißt nicht bloß entwickeln, was an einer Sache lächer-lich ist, sondern weit öfter und in der Regel, einem Dinge Ungereimt-heiten andichten, um lachen zu können. Mandeville machte in seinerFabel von den Bienen, in der er sein System viel weiter ins Unge-reimte treibt, als Helvetius das seinige, auch den moralischen Sinndes edlen Shaftesbury lächerlich und zog die Lacher auf seine Seitezum ausfallendsten Beweise, daß das Lächerliche keineswegs der Pro-bierstein der Wahrheit sei; denn der edle Graf hat mit seinem mora-lischen Sinn nur in so ferne Unrecht, daß er sich die liebe Menschheitso gut dachte, als er selbst war, und wird gewiß noch gelesen, wennMandeville vergessen ist.
Shastesbury fragt und — was wohl zu merken ist — fragt ge-legcnheitlich der Cevennenschwärmer und eines Posseuspiels auf dieseSchwärmer: „Was ist ernst, und was ist lächerlich?" — „Wir müssen,"sagt er, „die Dinge selbst untersuchen und das Lächerliche gebrauchen,um zu sehen, wo es trifft; hätten sich die Heiden jener Possenspiels-methode gegen die Christen bedient, so hätten sie es damit weiter ge-bracht, als mit ihrer Methode der Pechtonncn und Bärenhäute. DieWahrheit, wenn sie Wahrheit ist, muß das Lächerliche aushalten, undder Ernst, der solches nicht ertragen kaun, ist verdächtig, wie Witz undLaune, die keine ernste Prüfung erlauben." Der griechische SophistGorgias, der da lehrte: „Man muß das Lächerliche durch das Ernsteund das Ernste durch das Lächerliche zernichten" (Lriototelos Ubot. III.18.), oder mit andern Worten: Wenn der Gegner durch ernste Be-trachtungen Aufmerksamkeit erregt, muß mau suchen durch das Lächer-liche zu zerstreuen und umgekehrt — lehrt einen rhetorischen Kunstgriff,den auch Cicero und Quintilian kennen, und er ist Probat. Philippvon Macedonicn hatte den Gesandten der Athener durch Schmeicheleieine Nase gedreht, Aeschincs sprach begeistert von den Vortheilen derVerbindung mit Philipp, Demosthenes aber nicht, und Philokratesrief: „Jst's ein Wunder, wenn dieser weniger sanguinische Hoffmingcnhegt als wir? er trinkt Wasser, wir aber Wein." Dieser frostigeScherz erregte das Gelächter der Plebs, und Demosthenes wurde nichtweiter gehört; indessen verschaffte er sich doch wieder Gehör durch dasbekannte Mährchen von des Esels Schatten.
Die französische Revolution liefert uns ein Gegenstück. Der kühne,ehrliche, geistvolle, aber höchst unkluge, phantastische Eulogius Schnei-der, vormals Franziskaner, der bekanntlich als Sündcnbock des Elsaßcsunter Robespierre's Mordbeile fiel — dieser revolutionäre Schwär-