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kenntniß und Gefühlsvermögen im Einklänge sein, wie Stahl undFeuerstein, aber die Erfahrung lehrt, daß eine oder die andere Kraftdas Uebergcwicht behaupte. Wir müssen also schon mit obigen unge-rechten Ansichten Nachsicht haben, wie mit einem andern viel zu all-gemein genommenen Satz praktischer Menschenkunde: „Lacher sind nichtzu ernsten Dingen zu gebrauchen." Es gibt Leute, die sehr ernst ge-stimmt sind und noch mehr waren; nachdem sie aber eine nur allzu-reiche Ernte von Erfahrungen gelehrt hat, daß bei allen ihren Mühenund ihrem ernstlichen Treiben Hopfen und Malz verloren war, sofingen sie an, sich auf Demokrits Seite zu schlagen und zu dem Welt-humor zu erheben, der gleich dem Adler Alles unter sich erblickt, wieSchwalben und Sperlinge.
Unweit Marburg steht eine tausendjährige Eiche, oben singen dieVogel in den grünen Zweigen, und der hohle Stamm ist ein Schwein-stall. Gerade so verhält sich oft der obere und untere Mensch, Kopfund Herz, und zwar gerade bei den wohlhabendsten Klassen, und dervollendetste Egoismus vollendet das Skandal, das ich leider auch per-sönlich kennen lernen mußte. Der Ausdruck raffinirter Kopfist von der Znckcrsiederei hergenommen, aber raffinirte Köpfe liefernnur selten reinen Zucker. Wir schlagen uns an den Kopf, wenn wiretwas nicht wissen, was wir hätten wissen können und sollen, weitseltener aber aus Herz, wenn wir etwas gethan haben, was wir nichthätten thun sollen. Glücklicherweise steht jedoch der Mensch nochimmer in der Mitte — zwischen Engel und Teufel.
Der Kopf lebt in der Außenwelt, denkt, klügelt, rechnet, kalt nndungläubig gegen Alles, was er nicht mit dem Begriffe festzuhalten ver-mag. Ohne Gemüth ist das Herz für ihn, wie für einen Prosector,nichts als der dickste Muskel. Das Herz hingegen kennt nur Gefühle,sucht überall verwandte Wesen, um sich anzuschließen, und nimmt diePhantasie zu Hülfe, um die kalte Außenwelt zu idealisircn, in deres ihm sonst ekeln würde. Der Kopf darf das Herz beneiden, dasdesto zufriedener mit sich und Andern zn sein Pflegt, je beschränkterdie obere Etage ist. Es sieht sehr leicht Engel, wo kaum Menschensind, weiß kaum die Schlange vom Aal zn unterscheiden, und wer beiMädchen dieser Art einen Gruß an das liebe Fleisch bestellen will,darf nur das Herz Boten schicken — man schlägt auf den Sack und meintden Esel. Die Herzen beherzigen nicht, was Livius sagt: Lola inuo-oentia vivvro vsUs psrionloouin, ^ was mir auch erst nach dem Lösten
» Er Ist gefährlich, nur in Unschuld leben zu wollen.