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freilich den Mann von Witz und satirischer Laune nicht besondersachten, aber aus keinem andern Grunde, als weil man den auch nichtliebt, den man fürchtet, beneidet und haßt, dessen Ueberlegenheit manin der Stille anerkennen muß; daher behalten sogar die Herren ausRecensionen lieber das Ungünstige, als das Gute, was von einemSchriftsteller gesagt wird, der die Ehre hat, in ihrer Atmosphäreleben zu müssen. Vorzüglich habe ich jene Maxime von geistlichenHerren auskramen hören; es wäre leeres Stroh gedroschen, mit ihnenzu disputiren, also lieber gelächelt, wie der Hofmann, was man nichtübel nehmen kann und womit man vieles sagt und Jedem die Ausle-gung freiläßt.
Man kann das Menschthier hassen und verlachen und doch Hansund Peter, Marie und Lcne herzlich lieben und von den beiden Welt-floskeln: „Es ist ein gescheiter Teufel," und „Es ist eine ehrlicheHaut," gleichweit entfernt bleiben. Es geht dem guten Herzen wieder Religion, die von denen am meisten im Munde geführt wird, diekeine haben oder nicht recht wissen, was sie eigentlich ist. „Er hat keingutes Herz," oder „Er hat ein sehr gutes Herz," heißt aus der Welt-sprache übersetzt: „Er hat zu viel Verstand für mich," oder „Er istein Einfaltspinsel und Esel." Eben so wenig darf die Damenphilo-sophie: „Gute Männer sind selten gescheite, und gescheite Männerselten gute Männer," uns schrecken, ob sie gleich um so fester steht,weil Männer aus Artigkeit oder Ueberzeugung, daß Widerspruch dochnichts ändere, lieber schweigen; denn diese Damen nehmen das Wortgut bloß beziehungsweise, und der ist gut, der alles mit sich machenläßt, was sie gelüstet, und dem selbst im Traume nicht — dieStirne juckt.
Der Lobspruch: „Er ist ein Mann von Kopf und Herz," ist ziem-lich gemein, und doch sagt er ungeheuer viel, fast so viel als: „Er istein vollkommener Mensch;" denn leider steht die traurige Erfahrungziemlich fest, daß Genie und überwiegendes Talent selten im Bundesteht mit moralischer Trefflichkeit, offene Köpfe häufig verstopfte Herzenhaben, die weder Rhabarber noch Scnnesblätter heilen (die Erfahrungenmit dem Pillnaer Bitterwasser sind mir noch zu neu); Stillstand desHerzens aber ist ein Tod, den in der Regel nur das Thier stirbt.Der physische Tod des Menschen altershalber ist in unsern Zeitenfast Ausnahme, der moralische Tod aber desto mehr Regel. DasHerz ist der hüpfende Punkt im Embryo, der Anfang des Lebens, und>o ist Stillstand des Herzens das Ende desselben und der Anfang der