zu sprechen oder in das Wesen von Dingen eingehen zn wollen, dienur auf der Oberfläche berührt sein sollen. Der Weltling sieht nurdie Flügel des Schmetterlings, der Humorist mehr die Raupe, unddarum taugt er selten in unsere Schmettcrlingswclt. Der Humoristhat das Buch des Lebens nur stellenweise gelesen, wer es ganz gelesenhat, ist geneigter, zu schweigen, denn er fand, daß die Physische WeltGott erschaffen hat, und betet au, die moralische aber der Gottsei-beiuns.
Das dritte Haupterforderniß des Humors ist ein poetischfreicrund philosophischer Geist, der allein zur höheren Weltanschauungund zu jener weltvcrachtcnden Idee erhebt, welche die wahre Wider-lage alles Komischen ausmacht. Der echte Humor sucht, findet undzeigt gerne alles durch Umkehrung, und sein Witz läuft stets schräge,nie gerade aus. Um über die Dinge dieser Welt lächeln zn können,muß mau sich außerhalb derselben stellen, oder auf Straßburgs Münster,wo die rührigen Menschen auf dem Markte wie Würmer erscheinen.Im Grunde ist das sapors anäs (wage weise zu sein) der Alten gleich-bedeutend mit dem „wage sonderbar zu scheinen." Ist die Welt selbstnicht sonderbar, daß sie uns Erscheinungen darbietet, die uns bei denernstesten Dingen humoristisch und bei den lächerlichsten nachdenklichund feierlich stimmen? Daher ist es wahre Lebensphilosophie, Demo-krit und Heraklit in einer Person zu sein, oder wie Champfort sich aus-drückt: l^o saroasino äo tu g-üots avvo I'inäulgouoo <Iu inspris; *nur hüte man sich vor der Flasche!
Unsere neuesten Meßprodukte begnügen sich nicht mehr mit denAushäugschildcn: lustig, komisch, lachend rc., sie gehen höher undscheinen ihre Manier und Sonderbarkeit für humoristisch zu halten;die weltverachtende Idee zeigt sich aber lediglich darin, daß sie sich anSdem Publikum so wenig machen als aus den Recensenten; doch gehtman denn zu Markte mit Goldmünzen oder Sechsern, Groschen undKreuzern? Sie machen es wie jener Humorist, der an allen Straßen-ecken Londons ankündigte, daß diesen Abend ein Mensch zn sehen seimit so viel Augen als Tage im Jahr — es war der zweite Januar— das Publikum war geprellt und lachte; aber der Prcller behieltdas Eintrittsgeld, wie wir das gelauste humoristische Werkchcn behaltenmüssen, wenn wir auch nicht dazu lachen. Der echte, gediegene Hu-mor, der mit tiefem Blick und reinem Sinne von der Höhe der.Menschheit auf Wirklichkeit und Verkehrtheit schaut, ist nicht für Jubi-t Der beißende Scherz der Munterkeit mit der Nachsicht der Verachtung.