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nicht die Hagestolze großer Städte weit mehr Ehen, als sie selbstführen könnten, und lassen in einem Jahr vielleicht zehn Mal taufen,wo der Ehemann kaum und selten zwei Mal kommt ? Mit dem Hcirathensteht es gerade wie mit Reisen: manche festbcschlosscne und gewünschteReise unterbleibt, wenn sie zu weit hinausgeschoben wird; jedoch bleibtder Unterschied, daß man auf einer Reise umkehren kann, was sich imStalle der Ehe so leicht nicht thun läßt.
Die Natur sträubt sich genug gegen gezwungene Ehelosigkeit, und,stärker als alle Gesetze, geräth sie endlich auf Abwege, welche derStaat vergebens mit Strafe und Schande zu verrammeln sucht, undder scheußlichste bleibt Kindermord. Moses hat kein Gesetz gegendieses Verbrechen, denn sein auserwähltcs Volk kannte keine Ehchinder-msse, wir aber haben sogar eine berühmte Prcisaufgabe und vier-hundert Schriften darüber erlebt. Man hat Strafe und Schande vonder Hurerei genommen, Findelhänser errichtet; aber das Uebel wirdsich nicht eher heben, als bis wir sind, wie das Volk Israel, einfachund heirathslustig, so wie die Natur winkt. Die meisten Ehrlosenhat dann doch der Staat auf sich und seinem gar weiten Gewissen,Geistliche und Soldaten längst, den ungeheuern Bcdicntcntroß undbald auch die arme Kanzlei- und Schreiberwclt. Alle ließen sich rechtgerne mit Liebfrauenmilch knriren, so aber müssen die meisten sich andas Sprüchwort halten: „Wer ehrlich ist, freit früh, wer klug ist, nie."Gelehrte Verdienste, wie die eines Newton, Leibnitz, Kant rc. ent-schuldigen gewiß für den Mangel an galanten, und der Mann schonist mir achtungswerth, der zu stolz ist, eine angebotene Frau zu neh-men, damit er den Dienst bekomme, und zu delikat, sich zu einembloßen Geldsack ins Bett zu legen. Ein solcher lebt lieber mit einerHaushälterin, bis die Damen wieder das werden, was unsere Groß-mütter waren — Haushälterinnen. Wir haben die herrlichstenLobreden auf Damenaugen; ich möchte es erleben, daß man auch ihreHühneraugen besänge, vielleicht würden sie dadurch wieder — häus-licher. Wenn ein ehrlicher Hagestolz seine Pflegerin im Alter undin Krankheiten redlich bedenkt, so erntet er mehr Dank als von Ver-wandten, die auf die Verlassenschaft ein Recht zu haben glauben undauch lachende Erben heißen. — Jnstinians Benennung gefällt mir aberbesser, boroävs sui, > wenn gleich zu seiner Zeit die Latinität schonetwas verdorben war.
Wie die Sachen jetzt liegen, müssen nothwendig Dach und Fach,1 Lcibkrerbcn.