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sind eigentlich humoristische Schriften verloren gegangen; denn prak-tische Humoristen hatten die Alten so gut als wir. In den Schriftendes Mittclalters finden wir echten Humor, und die lateinische oder alt-deutsche derbere Sprache, naiv wie plattdeutsch, erhöht das Komische.Hören wir einmal den ernsten Bischof Lnitprand, mit dessen Rede auchGibbon seine traurige Erzählung der Kriegsgräncl angenehm zu unter-brechen sucht. Die barbarische Zeit begnügte sich nicht, die Gefangenenihrer Güter und Freiheit zu berauben, sondern nahm ihnen auch nochGesicht und Mannheit, und ein^Weib unterbricht die barbarische Ope-ration: „Führet ihr Krieg mit den Weibern?" sprach sie; „könnt ihrHelden uns empfindlicher angreifen, als wenn ihr unsern Männerndas raubt, was die Quelle unserer Freuden und die Hoffnung derNachwelt ist? Das Plündern unserer Häuser, den Raub unserer Kin-der und Heerden ertrugen wir ohne Murren, aber jener Verlust brichtunsere Geduld! Unsere Männer haben Nasen, Ohren, Augen, Händeund Füße, nehmt sie, wenn es sein muß, aber achtet, was unserEigenthum ist." Die wilden Franken lachten, und was Mitleidennicht vermochte, vermochte die humoristische Rede dieses Weibes.

Bekannter ist wohl der Vorschlag des alten Senators aus unseremLichtenbcrg, ob es nicht besser wäre, bei den vielen Schurken im Landedie ehrlichen Leute von den Galgcnschwengcln abzusondern, als umge-kehrt, da offenbar der letzter» mehr wären als der erster»; Städtemit hohen Mauern und Thürmen zu bauen für die Galgcnschwcngcl,und die rechtlichen Leute in den Dörfern zu lassen." Nur Wenigemögen wohl Luthers vierundzwanzig Qnartantcn in unserer Zeit ge-lesen haben — mich selbst hätte der theologische Wust wohl abgeschrecktohne meinen Aufenthalt in einem alten verwünschten Schlosse unterungenießbaren Menschen — aber sie enthalten echten Humor, dessenAusbrüche wir gehörigen Orts anzuführen nicht ermangeln werden.Luther hätte sich zur wahren sokratischen Ironie des Lebens erhebenkönnen, wäre seine ewige Kampflust nicht gewesen, die Schlacken derKutte und seine düstere saorosaneta tbsologia.

Bei dem Wicdercrwachen der Literatur finden wir in spanischenund italienischen Schriften hie und da Humor, früher als in deutschenund brittischcn, aber Eigenthümlichkeit und Wahrheit scheinen einmaldie Sitten jener Nationen zu fliehen, wie die der Franzosen. Italienhatte sogar eine Akademie äei umoristi, die meines Wissens nichtsHumoristisches geliefert hat, und Franzosen haben höchstens einen La-fontaine, man müßte denn Rabelais und Montaigne unter die Hu-