von Dessau und seinen Erdmannsdorf zu London in Verlegenheit, dieSterne's Bekanntschaft in Rom gemacht hatten. Er versicherte denFürsten mehrmals, daß er seinen Tristram selbst nicht verstehe, nndes ist glaublich. Sterne las wenig und von Gelehrsamkeit war ohne-hin keine Rede; vieles soll er aus Halls voiuemplntion und Burtons^.natom^ ok melanclwl^, selbst aus Marivaux und Crcbillon entlehnthaben. Er steht als Genius weit unter Shakespeare, und selbst anHumor und vollendeter Compositiou übertreffen ihn Cervantes undFielding; aber seine Empfindsamkeit, sollte sie auch Inst in äisguissgewesen sein, sein Humor und seine magische Kraft, oft mit einemWorte in einfacher, lieblicher Sprache unsere Nerven zu kitzeln oderunser Gemüth in's Interesse zu ziehen, bleibt ihm eigen. Kein Schrift-steller vor ihm wirkte so auf Menschenliebe, und sein le Fevre, OnkelToby und Korporal Trim, Pater Lorenzo und Maria werden stetskommenden Zeiten noch die Meisterhand verkünden. Sterne bleibt derLiebling denkender Köpfe und noch niehr der fühlender Herzen, aberman muß ihn in seiner Sprache lesen, wie überhaupt jeden Humoristenund Komiker, obgleich Bode alles geleistet hat. Diesen Bodc alsUebersetzer und Bodc den Astronomen verewigen Sterne.
Doppelt rührend ist jedem seiner Verehrer das zwölfte Kapiteldes elften Buches im Tristram, wenn man weiß, daß er wirklich ineinem Micthzimmcr starb, uud ihm seine goldenen Hemdkuöpfe geraubtwurden, während er mit dem Tode rang. Wahr bleibt ewig, was ersagt: Wahrer Shandyismus öffnet Herz und Lunge, zwingt Blut undLebensgeister freier durch ihre Kanäle, und das Rad des Lebens läuftlänger nnd lustiger; hätte ich wie Sancho mir ein Reich zu wählen,so wäre es ein Reich über herzlich lachende Unterthanen." Sterne,du hast ein solches Reich errungen! Vergebens suchte ich im I'oöts'Corner ^ des Westminstcrs nach seinem Denkmale — dieser gemüthlicheLacher hat keines, so wenig als Swift, was aber begreiflicher ist.Satiriker waren auch in Frankreich weder in der Akademie, noch mitOrden versehen, — uud iu Deutschland? Wehe ihnen, wenn sie umein Acmtchen suppliciren müssen! Freiheit und Schwarzbrod, ist dasnicht schon genug für so einen Kerl? Doch wir haben ja auch garkeine rechten Satiriker aus begreiflichen Gründen. I'arevrell I' Sterne!
Friede sei um deinen Grabstein her,
Sanfter Friede Gottes! Ach sie haben
r Derjenige Platz in der Westminster-Abtei, wo sich Denkmale briitischer Dichter befinde»(der Dichlerwinkel). — 2 Lebewohl I