nur halb verstehen konnten, während Männer von reinem Vernunft-sinn und Geschmack die Achsel zuckten.
Und was sagten solche Männer? Sie jammerten über die neueAbgötterei, über die Pikante Geschmacklosigkeit, bleierne Arabesken imNürnberger Stil, über die grotesken Porcellan- und Zinnfiguren derwie Rcichstruppen zusammengetrommelten Contingente, die sie lang-weilten. Sie erkannten mit Freude, daß der deutsche Lieblingshnmo-rist doch Tugend, Sittlichkeit und Religion achtete und auf das Höhereder Mcuschcnnatur hinwies, wenn sie auch das Gesuchte verstimmt,wo selbst das Treffende weniger Eindruck macht (wer den ganzen Tagschießt, muß doch einmal treffen), und wo die Idee in Phraseologieersäuft ist. Sie freuen sich über viele geistreiche Ideen aus warmemHerzen, wenn sie auch solche aus dem Collectanccnwnst heraussuchenmußten, sich verirrten in der Inselwelt, wozu die Brückchen der Me-thode fehlen, und statt in den Tempel des Kosmos zu gelangen, wur-den sie immer und ewig in dem schrecklichen Gebiet des Friedcnsfürstcnoder Todes festgehalten. Aber der Geist Jean Pauls, einzelne Schilde-rungen, witzige Vcrgleichungcn und Einfälle, glückliche Wortspiele rc.Werden bleiben, wie die Spruche todter Weisen, wenn das Oaput nwr-tuum,' das wahrlich fast zwei Drittel seiner Werke ausmacht, insFeuer wird geworfen und vergessen werden, wie die Systeme hoch-fliegender Aprioristcn. Es ist in der That schade, daß die Chresto-mathie' aus Jean Pauls Werken so schlecht gerathen ist; sein Espritverdiente einen bessern Chemiker.
Geistreiche Verwilderung der Kunst schien Jean Paul das wahreLeben des Genies und erzeugte manchen Humoristen, der Bequemlich-keit für Humor nahm und weinerlicher Laune wurde, wenn man anseiner lachenden Laune kein Behagen fand. „Alles, sagt ein Recen-sent, ist bei Jean Paul Extrablatt; sei er mit einer Thcodicec be-schäftigt und ihn druckt gerade ein Bedürfniß, so gibt er ein Extra-blatt über den Stuhlgang und ruft lächelnd: Humor!" Keines seinerWerke ist als Ganzes trefflich, und er muß sonderbare Ansichten vomgebildeten deutschen Publikum gehabt haben; aber im Auslande machteer kein Glück, wie Sterne überall gemacht hat, und im Vaterlandedes Humors wurde man ihn am Ohr gezupft haben: „Freund, ge-pinselt ist nicht gemalt!" was auch die Nicolaiten bernfsmäßig, aberleider vergebens thaten. Man muß zu der schwärmerischen Lobredein den Heidelberger Jahrbüchern (1811, Dezemberstück) lächeln, ge-t Dai todte Haupt, Benennune sür UudirstKndlicheS oder für Nustnn. — ' Auswahl.