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Viele lesen noch gar Vieles selbst in den Haaren. Rothes Haarist gewaltig verschrieen — vielleicht noch eine Reliquie ägyptischerWeisheit, die selbst rothen Thieren feind waren, wie die Chinesennoch — und zeugt von Galle und Falschheit, blondes hingegen vonSanftmnth und Güte, braunes und schwarzes von Festigkeit undhitzigem Temperament. Es gab einst Gold- und Silbcrhaare, vondenen sich etwa, wie von dem Gold- und Silberstaub, womit mancheihre Briefe bestreuen, auf Eitelkeit hätte schließen lassen. Im grünenoder weißen Haar liest man sehr richtig das Alter, und daß derMann ein Kupferschmied, Bergmann rc. oder so etwas sein werde.Lächerlich ist die Chiromantie oder die Zigeunerkunst, aus der Handzu wahrsagen, ob sie gleich auch von Gelehrten in ein förmlichesLiniensystcm gebracht ist; aber gegen die Händcsprache läßt sich sowenig einwenden, als gegen Augen- oder Füßcsprachc unterm Tische,worauf die Pantomimik beruht; bei Vielen ist sogar der einzige Ge-nuß der Freimaurerei — ich bin ja auch einer — in der Händcsprache,und nicht besser, als die Kunst zu stupsen, worauf sich das schöneGeschlecht am besten versteht, wie auf die Augensprachc. Es gibtganz unschuldige Steckenpferde, wie meistens die der Gelehrten undKünstler sind; ja lustige Knaben reichen wohl gar dem schwachen Greisihr Steckenpferd im frohen Gefühle der Natur, die noch keine bittereErfahrung abgestumpft hat. Eines der berühmtesten Steckenpferde istwohl der Pegasus, den männliche und weibliche Musen reiten, jaMancher lebt sogar davon, während die ganze übrige Welt das Pferdernähren muß. Könige haben ihn schon geritten, David machte Psal-men darauf, und Friedrich wenigstens Oden, da er die Psalmen nichtleiden konnte. Die schlechtesten Pegasusreitcr sind gerade die, die einenPegasus unter sich zu haben glauben, wenn sie eine Mähre oder einenEsel besteigen, abgerichtet in der Reitschule der Aesthetik.
Welcher himmelweite Unterschied zwischen diesen unschuldigenSteckenpferden und denen der Großen, zumal wenn sie ihnen vonMinistern, Maitrcssen, Kammerdienern, Jägern rc. vorgeritten wer-den! Das allerunseligstc aber ist, welches Karl XII. und Napoleonritten. Unsere Klcingroßen, die keine Kriege führen konnten, ob siegleich so viel möglich Soldaten hielten, kriegten dafür mit ihren allcr-getreuesten Dienern und Unterthanen. Onkel Toby baute eine kleineBeste im Winkel seines Gärtchcns, und Graf Lippe Wilhelmsstcin *
r Der bekannte preußische und portugiesische General, Gras von Lippe-Buckeblirg; als erdaS portugiesische Heer irr der Art umgebildet hatte, daß es dem spanisii-cn irioersiehen konnte