Band 
[Erster Band. - Zweiter Band.]
Seite
149
JPEG-Download
 

149

„Hing tief rühren oder herzlich lachen machen? Heute oder gestern,Morgens oder Abends kann schon einen Unterschied machen; aber wasfinden wir nicht erst im vierzigsten Jahre in einem Buche, in demwir im zwanzigsten nichts fanden, und noch weit öfter umgekehrt?Die Bibliotheken würden keine Säle brauchen, wenn sie nur ausBüchern beständen, die man noch in reiferen Jahren, oder jedes Jahrwenigstens einmal lesen mag. Indessen in der Welt ist alles relativ;wir lachen, wenn der Kaufmann ruft: „Mein Sohn ist dumm, er sollstudircn;" er sieht auf dessen gänzlichen Mangel an Spekulationsgeist,der zu kaufmännischen Geschäften unentbehrlich, beim Studiren ent-behrlich ist. So rufen auch juristische und medicinische Väter; „derKerl soll Pfarrer werden;" der Kerl, der ein schlechter Richter oderArzt geworden wäre, kann immer einen recht wackern Landprediger ab-geben. Gewisse Jünglinge von Talenten, aber auffallender Unbcug-sainkeit und Eigenheit, die sicher im Welt- und Geschäftsleben überallmit dem Kopfe widerremicu würden, wie Schwalben und Sperlingeim Zimmer, können herrliche Professoren abgeben. Wie sehr Wohl-oder Ucbelsein, gute oder schlechte Verdauung auf das Lächerliche ein-wirke, ist bekannt, und übler Huinor, den man auch die englischeKrankheit nennen könnte, macht unglücklich, wenn man nicht das«ummum dovuiL der Engländer hat — » üno inckexenäenv^. >

Die Stimmung des Augenblicks, verbunden mit Mienen, Ton,Lokalität und Gesellschaft, macht oft allein die glückliche Wirkung desKomischen, verhindert sie aber auch ebenso oft, und daher sollte manes mit Witz und Laune nie streng nehmen, wir Deutsche am aller-wenigsten, die wir hier noch so weit zurückstehen. In gewissen Augen-blicken mag das Geschichtchen von den beiden zusammcnschlasendenHandwcrksburschen, deren Lagerstätte man leise in die Höhe gezogenhat, daher der eine, wie er nach dem Nachttopf greift, herabfällt, derandere auf sein Hülfsgeschrci gleiches Unglück erlebt und beide ganzverwirrt in der Angst zusammcnbetcn: „Alle guten Geister loben Gottden Herrn" — in gewissen Augenblicken mag es so albern erscheine»,, als das Geschichtchen vom Nachtwächter, der in einer dastehendenChaise bis zur nächsten Stunde sich ausruhen will, einschläft, fortge-fahren wird, in der nächsten Station aufwacht, als es gerade dreischlägt, und im Bewußtsein, mehrere Stunden verschlafen zu haben,nur um so kräftiger in sein Horn stößt und singt: „Dreifach ist dasAckerfeld, Mensch wie ist dein Herz bestellt?" — Siehe, da tritt derr Höchst«» Gut. — EI»« a»gr»!hm«, uuMiSngige Lug«.