Band 
[Erster Band. - Zweiter Band.]
Seite
185
JPEG-Download
 

185

den verlachten Tag mit einer verweinten Nacht! Unsere Zeit hat leidernnr zu viele der holden Geschöpfe, die ungckannt verarmen, scherzendverzagen und lachend verbluten, was Männer nicht verstehen. DasGeschlecht muß einmal lieben und tändeln, und wenn es nichts Soli-deres haben kann, so tändelt und liebt es mit Schvoschündchcn, Katzen,Vögeln, Tauben und Hühnern, oder mit ihrem Putze, endlich gar mitGeistern, mit dem lieben Gott oder Jesus, Maria und Joseph. Dieunfeinen Holländer nennen kindischen Zeitvertreib komstvrx kutr-vlorvärivon.' Wie sie wohl die Somnambulen nennen?

Mädchen und Weiber, die lachen, sind unendlich besser, als dieelegischen Empsindlerinnen; Thränen beweisen so wenig Tugend alstropfende Dachrinnen, und die lebhaften sind auch besser, als die stillen;stille Wasser gründen tief und belfernde Hunde beißen nicht. Ich halteWciberlachen sogar für eine Naturanstalt, die Kinder zum Frohsinnzu erziehen, und was geht über einen lächelnden Mntterblick? DerSpiegel des Kindes ist das Mutteraugc, seine erste Bildnerin; undeine gemiethete Amme, kann sie den Säugling anlächeln wie das Mnt-terauge? Was geht über das Lächeln des Mädchens, das FreundHoraz so gut kannte und ermunterte aufzusuchen neben den Isnvs subnoots susurri^ —

— Intsnlis protl'itor intimoOrktrig xusNas risus »d snAvIo? "

Wie mit dem Lachen, steht es auch mit dem Singen und Trillern— eine wahre Fröhlichkcits- und Besänftigungsqucllc, und ich begreifenicht, wie gerade Franzosen sagen mögen: la poulo ns -tote pnsvüanter ckovant lo oog; * und nun noch Schönheit! In der Stadthören sie zu oft davon sprechen, und werden eitel und stolz; aber ausdem Lande finden sich noch Mädchen, die gar nicht wissen, daß sieschön sind — gerade ihre schönste Schönheit! Bei den Vögeln singenin der Regel nur die Männchen, bei uns die Weibchen, jene, um denbrütenden Weibchen die Zeit zu vertreiben, diese, um Männchen her-beizulocken, wobei sie dann auch gelcgenhcitlich zu Eiern gelangen.Wenn mir der Mann verdächtig ist, der Gesang nicht liebt, so ist'smir das Weib doppelt; selbst die Mädchen des Palais -Royal wissen,in welcher genauen Verbindung die Tugend mit der Kehle steht, und

> Weibliche Albernheiten treiben. - - Sanst säuselnd- Laste de» Abentä.

2 Und jcneS feine Lachen vom Winkel her,

Wo da- versteckte Mädchen sich selvst verräth.

- Die Henne darf vor dem Hahn nicht krähen.