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streichen daher gerne singend und trillernd vorüber. Kornniann inseinem einst berühmten lateinischen und meist steif juristischen Büchleinäs sure virxmitatis ' sieht das schnellere Laufen des Geschlechts alseinen Wink der Vorsehung an, sich vor Gefahr desto leichter zu retten;aber kann man nicht dadurch auch eher in Gefahr gerathen? Er warntsie vor Bienen, die zunächst auf Unreine losgehcn sollen, und findeteine zu laute Stimme verdächtig, wie Töpfe oder Glocken, die einenrauhen und härtern Ton von sich geben, wenn sie nicht mehr ganz -sind. Ich bin gemäßigterer Meinung und nehme selbst eingetreteneSchuhe, und hie und da einen Flecken oder ungeordnetes Haar lieberfür Zeichen großer Lebhaftigkeit, als des Leichtsinns und der Unordnung.
Viele gebildete Weiber fangen erst im Alter an, recht liebens-würdig zu werden, wo sie aufhören, für uns Weiber zu sein, oderwieder gut machen wollen; sie machen durch Freundlichkeit, Theilnahmeund Geist die verblichene Schönheit vergessen, weit mehr, als dies beiMännern der Fall ist; sie sind liebenswürdiger als Mädchen, einenPunkt abgerechnet; nur mit denJahren darf man nicht kommen—wenig-stens ist mir noch keine vorgekommen, die mit der Kaltblütigkeit desMannes diese Erinnerung aufgenommen hätte. Es geht ihnen wiealternden Koketten, die den Spiegel Haffen, wie gewisse Männcrklnffcn >die Wahrhcitsprediger — selbst solchen, die trotz aller Feldzüge sichbis ins fünfzigste Jahr recht gut erhalten hatten, und weit leichterverzeihen sie, „daß noch die Grazien in ihren Runzeln wohnen, undihr blasser zahnloser Mund noch znm Kusse reize!" Beide Geschlechtergleichen den Weinen, das männliche dem Rheinwein, in der Jugendherb, im Alter mild; und das weibliche dem rothen Ofncr, wo derFall umgekehrt ist. Die Hölle der Mehrzahl aber und ihrer Männerpflegt mit der Buscnökonomic einzutreten, und die, welche dann geist-liche Lieder singen, oder zu Allem einen Bibelspruch bereit haben (den:
„der Mann ist des Weibes Haupt rc." ausgenommen), sind unendlichschlimmer, als die, welche profane Volkslicderchen trillern oder gar singen'doch ist es noch die Frage, ob jenes nicht bester sei, als hektischerHusten? Eine, die Büß- und Stcrbeliedcr absingt und mit der Bibelkommt, ist einmal schlimmer, als die da singt:
Es hat mich mit Lachen und KüssenMein lustiger Vater gemacht;
Was brauch' ich denn weiter zu wissen,
Als wie man stets küsset und lacht?
l Ueber das Recht der Jungsrauschaft. ^