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wollen alle Dreißiger für alte Jungfern gelialten wissen, und diesewieder die Vierziger und Fünfziger; fünfzigjährige Frauen nennengerne vierzigjährige Jungfern Mädchen, so wie jene gelehrte Jung-frau das Wort von Unfrau ableitete, um das Alter so wenig als mög-lich an das leidige jung zu erinnern. Jede alte Jungfer ist, sobaldsie den Fuß auf russische Erde setzt, kraft des juliauischen Kalenders,um zwölf Tage jünger, und diejenigen, die an einem Schalttag ge-boren sind, können mit Sachbestand von: sechzehnten Geburtstagesprechen, und wenn sie viernndsechzig netto auf dem Buckel haben.

Dicsemnach ist es am besten, gar keine Epoche anzunehmen, son-dern die hochlöbliche Schwesterschaft, falls man nicht mit dem argenSpötter gar annehmen will, daß alte Jungfern Undinge (non ontia)seien, in zwei Klaffen einzutheilen: positive Jungfern bis zum vier-zehnten Jahr (bei uns, und ich bin mir vieler Liberalität bewußt) undnegative von da an bis zum seligen Ende der ganzen Jungferschaft.Andere nehmen Jungferschaft im wettern Sinne, und bilden eine dritteKlasse, bürgerliche Jungfern, d. h. die noch kein Kind gehabt haben,wenn sie gleich das wichtigste Kapitel der Physiologie auch Praktischhaben kennen lernen wollen — und diesen will man am Hochzeittagedas Jungfernkränzchen nicht geben, weil es längst sich verloren habe.Was liegt an einer Ceremonie, wenn sie Freude macht? Die moralischeJungsrauschast ist wichtiger, als die physische; der Beweis der letzter»ist a postoriori bloß kein Kind, aber a xriori bekanntlich höchst kitzlich.Ucbrigens verzeihe ich alten Jungfern die allgemeine Gcschlcchtsschwäche,sich jünger zu lügen, unendlich leichter, als galanten Damen, die beiTage dreißig und in der Nacht fünfzig sind, auf das Sprüchwortfußend: „bei Nacht sind alle Kühe schwarz," und leichtsinnig ver-gessend, daß der Tastsinn einer der feinsten Sinne ist. Bei solchenDamen folgt man am besten den Mustern der Galanterie, den Fran-zosen, die bloß von Damen sprechen ck'un oortain Lgs. > Ucbrigensist es ganz gut, daß die Lustbarkeit unserer guten Alten, ihre Stroh-kranzreden am Hochzeittage, abgekommen sind, so wie der Strohkranzselbst; es ist schon genug, wenn Unglückliche nicht am Dienstag, son-dern am Mittwoch sich trauen lassen müssen; sie pflegten nicht derHochzeitrede von der Kanzel zu gleichen, und der Braut- oder Jung-fernkranz ist selbst auf dem Lande in unsern Zeiten lange vor derHochzeit ein Strohkranz. ,

l Von gewissem Alter.