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sind, als in den zwölf heiligen Nächten, wo sie sich selbst Erscheinun-gen machen; sie prophezeien aus Kaffeesatz, schlagen Karten, undmachen sich bei ein bischen Schlauheit nicht wenig beliebt. Sie hörenTodtenuhren, und lesen im nächtlichen Hunde- und Katzengeheul, imHühner- und Gänsegeschnatter fürchterliche Dinge. Sie könnten, dasie wenig schlafen, die besten Wächter des Hauses werden, wenn siesich nicht sogleich unter die Bettdecke retirirten, und oft einen uin dasHaus schleichenden Dieb, und wären es auch nur Wiesel und Marter,verscheuchen, wie die Capitoliumsgänse die Gallier. Es gibt manchewackere Tante indessen, die Nachts von Dieben träumt, das ganzeHaus zusammenklingen, das Gesinde zum Aufstehen, Einheizen, Ar-beit und Gebet anhält, das Obst zählt, das Brod verschließt, überdas Lachen zankt, das Weinen praktisch lehrt und der beste Keuschheits-wächtcr im Hause ist, wenn sie nicht gerade Glu gln gemacht hat. Ichkannte eine solche Tante auf dem Lande, eine geschworene Feindin derKommnächte, nach deren Tod der Pfarrer um der Sicherheit willenes gerne sah, wenn fleißig Probenächte abgehalten wurden, nicht bloßSonnabends, wo er selbst bis spät nach Mitternacht treueifrig derSonntagspredigt oblag.

Unter den tausendfachen Zierereien alter Jungfern ist wohl dieallgemeinste und komischste die Miene der Jugend. Uebertriebenc Mun-terkeit und Lachen, Hüpfen statt Gang, die neuesten Moden, bunteBänder und Blumen sind die Fahnen, die in der zur Uebergabe längstbereiten Festung aufgesteckt werden, und nichts ist alt an ihnen, alsgerade das, worauf man zuerst sieht — das Gesicht. In guter Laune,und wenn man sich viel mit ihnen beschäftigt hat, fragen sie wohl gar:„Na, wie viel Jahre geben Sie mir?" Wäre es nicht ungalant,ihnen mehr zu geben, als sie bereits haben? Ich gab einst zehn weni-ger, und war ein „charmanter Mann!" „Sie sehen ja wahrlich jüngeraus, als das vorige Mal, da ich Sie sah," ist ein sehr gewöhnlichesCompliment, das stets gut aufgenommen wird; wenn es mir gemachtwird, so übersetze ich es: „Sie sehen älter aus," was vielleicht daherkommt, weil man mir so oft schon Mißtrauen vorgeworfen hat.

In unserer Zeit kommt noch die leidige Belesenheit hinzu, undinsgeheim alle möglichen Schönhcitswasser nebst ein klein wenig Schminke;schminken sich ja Jünglinge und Mädchen jedesmal, so oft sie einan-der zu tief ins Auge gucken. Andere nehmen die ganze Würde desAlters an, um die jüngere Welt zu richten, mit catvnischer Strengeund ciceronianischer Beredsamkeit; wenigstens machen sie den langen