väter im heiligen Ernste, und Lucius «in« concuditu im Spaffe auf-gestellt haben.
So haben die Alten einander gckiißt,
Bis auS Zwei — Drei geworden ist.
Schließlich muß ich noch der Etiketteuküffe gedenken, z. B. beiAnkommen, Abgang, Ausstehen, Schlafengehen, oder zur Danksagungfiir's Genossene. Diese französische Sitte verpflanzte sich zuerst andeutsche Höfe und Höschen und wurde von Hofrüthen als Bonton inihre bürgerliche Familie eingeführt. Morgen- und Abendkuß derKinder will ich noch gelten lassen, aber der Eheleute nach einem kleinenAnsgang? namentlich nach dem Tischgebet der Mund der Frau mit denLippen abgebürstet? Ein alter Hofrath that es: „Komm', Schatz, laßdich umarmen für das herrliche Mahl, das du uns bereitet hastl"Dieses Mahl bestand aus Suppe, Spätzlen und Schnitz, Hasenbratenund Kartoffel, aber es sollte ein Tractament für uns eingeladenejunge Leute sein, davon keiner und keine durch die einfache Haus-mannskost (es war noch 1783) verdorben war, und so folgten wir derNatur und lachten ins Gesicht.
Nicht lächerlich, sondern unnatürlich sind die Küsse unter Manns-personen, daher sich auch der Britte nnd Holländer darunter ein ge-wisses Laster denkt; sie bieten sich dafür die Hand, oder gar nur zweiFinger, und hat der Holländer Handschuhe an, so setzt er noch bei:Voroxcusser iuxn Ilsnckseüoeu I Und wir Deutsche konnten dieseechtdeutsche Nationalsitte voll Treu und Glauben ausgeben gegen diefranzösische Unsitte des Kusses, wo man mit allen Anstalten feurigsterUmarmung auf einander stürzt, und in feierlicher Kälte sich über dieAchseln guckt? Mich erinnert diese Posse an die Küsse, die ich alsKnabe den Visitcubascn auf die Hand drücken mußte, wenn ich ausder Schule kam. „Nun, Karl, küsse hübsch artig die Hand," sagteMama, nicht überlegend, daß, wenn auch diese Hände nicht unreinoder krätzig waren, oder da gekratzt hatten, wo es juckte, doch schonoft böse Köpfe, Skropheln, böse Augen rc. der Dank waren. Dieösterreichische Redensart: „I kuß die Hand" für „ich danke", ist dochnur figürlich; hier war alles unfigürlich, und bei Damen kann mansich an kleinen Oertchcn noch heute damit empfehlen. Ich führte 1788einen armen Kandidaten als Hauslehrer in ein adeliges Hans; imUebermaß der Gnade hob die Dame die Hand zum Kusse empor, sorasch, daß Hand nnd Nase sich so heftig begegneten, daß man nichtgeschwind genug ein Waschbecken herbeischaffen konnte.