134
Land geeigneter mache zur Monarchie, und ein kleines dürftiges zurDeniokratie, so wie das Klima Asiens offenbaren Einfluß hat aufDespotismus und Sklaverei. Auch auf Religion hat das Klima Ein-fluß. In warmen Ländern ist sie weit phantastischer, und selbst dieMedicin muß sich darnach richten: das Brechmittel, das ein Schwei-zermagcn braucht, würde einen Hindu todten, oder eine delikate Dame,die so diät lebt als ihr Kanarienvogel.
Wenn Europäer nach Ost- oder Wcstindien kommen, so ist ihrnoch nicht schlaffer Körper unvermögend, gehörig auszudünsten, undsie fallen in ein Entzündungsfiebcr, genannt tbo soasoniiiA. Imhohen Norden hemmt die Kälte die Ausdünstung, und so kommt derScharbock. Unter dem Acquator soll auch der Mond sonderbar aufschwache Körper wirken. Sie bekommen Kopfweh von Mondstrahlen,wie von den Strahlen der Sonne, und man hätte unsere Siegwarts-Thierchen unter die Linie schicken sollen, wie Schwind- und Lungen-süchtigc nach dem Meere. Länder, die aus Meer grenzen, haben dieältesten Leute, und Soldaten, die lange in Wcstindien dienten, erkenntman sogleich wie den Trunkenbold und Bruder Liederlich. Die schwerenDünste des Novembers haben sichtlichen Einfluß auf den Selbstmordder Britten; in den Hundstagcu werden in Italien die meisten Mordean Andern begangen, und die Thiere werden immer giftiger, je näherder Linie; folglich muß der Arzt klimatisch zu Werke gehen und viel-leicht auch der Gesetzgeber und Richter. Napoleon empfand auf St.Helena, was das Klima thut; das Ucbrige that der Gouverneur SirHudson.
Die Sonne ist es nicht allein, welche die Farben unserer Gattungmacht. Die Natur verschwendete die schönsten Farben an Thiere,Pflanzen und Metalle, und ließ den Menschen eigentlich ohne Farben,oa Weiß und Schwarz nur der Anfang und die Abwesenheit der Farbesind. Trotz aller Macht des Klimas haben Staat, Religion undSitten noch größere Veränderungen gemacht, die wir weiter unten be-trachten wollen. Lappen und Neger werden schwerlich große Gelehrteliefern, aber die Pariser, die noch dasselbe Klima haben, wie zur ZeitJulians, werden von diesem belobt wegen ihres Ernstes und ihrerSittenstrenge — est-il xossiblo? * Warum gibt es in Athen keinenPlato, Aristoteles, keinen Anacreon und Zeuxis mehr? Warum zuRom statt der Scipione, Cäsare, Catone, Cicerone und Livins Päpste,Pfaffen und Mönche? Cicero fragte scherzend nach den Philosophen
c Ist das möglich 1