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[Dritter Band. - Vierter Band.]
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nun diesen großen Heiligen hin? welcher Platz ist seiner würdig?"unwillig aufstand und mit den Worten hinausging: „Setzt ihn anmeinen Platz." Ich habe mancher Predigt beigewohnt, wo Einer umden Andern fortging, und mau hätte die Predigt wohl eine sehr be-wegliche Rede nennen können. Ein anderer Zuhörer kam in denselbenFall bei der Lobrede auf St. Christoph und bei dem ewigen rhetorischenAusruf: „Wer kann sich rühmen, den Heiland auf seinen Schulterngetragen zu haben?" Unwillig rief er: „der Esel! trug er nichtMutter und Kindlcin nach Acgyptcn und dann den Herrn und Meisternach Jerusalem?" Unsere guten Alten waren weit frömmer als wir,folglich müssen es die hochwürdigen Dcinosthcnesse und Cicerone oftgar arg und langweilig gemacht haben, da sie dennoch das Spruch-wort hatten: „Kurze Predigt, lange Bratwurst!"

Es ist bekannt, daß bei des heiligen Antonius von Padua erbau-lichen Predigten selbst die Frösche ihre Köpfe aus dem Sumpf strecktenund hoch aushorchten, und solche Frösche gibt es noch genug. Nichtsbeschäftigte das theologische Zeitalter mehr, als das Thier der Offen-barung mit sieben Köpfen, zehn Hörnern, der Leopardenhaut, Bärcn-füßen, Löwenrachcn und Eselsschwanz. Anfangs deutete nian es aufDccins, Diocletian, Julian uud andere Christenverfolger, später aufden Papst, dann auf Bayle, Voltaire und andere Freigeister; hollän-dische und pfälzische Theologen aber sahen in dem Thier Louis XIV.und-Oranicn; schade, daß man zur Zeit Napoleons das Thier derOffenbarung doch vergessen zu haben scheint. Noch in meinen Jüng-lingsjahren belustigten die Controvers-Ganser zu Augsburg das hellerePublikum, und ihre Kanzclpolcmik war unstreitig so komisch als dasKaspcrl-Theater; die Coutrovcrspredigten wurden in der Regel amPalmsonntagc abgehalten zum Gedächtniß des Palmescls, und sohieß man sie ganz schicklich Esclspredigtcn, ob sie gleich durch dieseBenennung von andern Predigten nicht gehörig destinguirt waren.

Weit ferne von diesen EselSprcdigteu war der PrämvnstratenserSatter zu Marchthal, dessen Schriften im schwäbischen Dialekte ge-sammelt sind, ein gelehrter Mann, ein trefflicher Kanzelredncr und vollder heitersten Laune, besonders wenn er seine bekannte Schöpfung auf-führte, ganz allein, mit einer Geige in der Hand. Er war überallwillkommen und predigte überall, und war der Pater Abraham a SantaClara des achtzehnten Jahrhunderts (ch 1777). Meines Wissens sindseine Predigten nicht gedruckt, sondern nur die Schöpfung; der FallLucifers; die sieben Schwaben oder die Hasenjagd; schwäbischer Sonn-