Band 
[Dritter Band. - Vierter Band.]
Seite
14
JPEG-Download
 

14

öffentlich ausgestellt, weil seine Feinde behaupteten, der Teufel habeihm den Hals umgedreht, und Herzog Albrecht und sein Hof begleitetendie Leiche. Der württcmbcrgische Osiandcr sagte der Maitressc vonGrävenitz, die ins Kirchengebet eingeschlossen sein wollte: „Man betetohnehin für Sie, so wie man betet: Erlöse uns vom Ilebcl," und Hof-prediger Cyprian zu Gotha, dessen Einfluß die kluge Gemahlin des Her-zogs, eine gcborne Herzogin von Meiningcn, zn beschränken suchte, sagteauf der Kanzel: „Aus Meiningcn entsteht alles Uebel." Die goldenenZeiten der Hofpfaffen waren auch die Zeiten der Silberbibliotheken:Bibel, Gesangbuch und elende Postillcn waren auf das kostbarste ge-bunden; Fürsten fertigten geistliche Lieder und Gebete, oder scbriebcnwenigstens die Predigten nach (noch in meiner Jugendzeit), und alleSchwarzröcke hatten und gaben sich das Ansehen kleiner Provbeten.Eine alte hohcnlohische Gräfin notirte sich manche Tischreden des Hof-predigers sogar in ihre Schrcibtafcl, und in einer Kolik hielt sie fürein sehr kräftiges Mittel, dessen alte Pcrrücke eine halbe Stunde aufden Bauch zn legen.

Die Großen fürchteten sich vor dem Abkanzeln, wie heutzutagel vor der Presse, und manche Beichtvätcr übten in der That ihr Rechtunverschämter als die Propheten des alten Testaments, worauf sie sichauch beriefen wie die Stände Böhmens, als sie die drei Herren Rathezum Fenster hinauswarfen nebst Sckrctarius Fabricius. Sie fielenrecht sanft und glücklich auf Kanzlcikehrigt und Papicrabschnitte, daheres immer räthlich ist, Kanzleiunrath liegen zu lassen, und der Sekretärhatte sogar die Besonnenheit und Artigkeit, die Herren Räthe tausend-mal um Verzeihung zn bitten, daß er auf sie gefallen sei. Ludwig XIV.,der Stolze, glaubte nach einer Abkanzlung schon sehr viel zu sagen:„z'mms bleu ä xrvnckrs um gort ä'un sorinou, uinis zo u'niuis gns,gn'ou M6 Is lasse/ ' und der Gcsandtschaftspredigcr des Grotius zuParis sagte zum Tadel Sr. Excellenz: „Wagen Sie es, dem heiligenGeist das Maul zu stopfen?" aber Papst Alexander VI. ging böhmi-scher noch zu Werke, als er den Dominikanerpredigcr Savonarolaverbrennen ließ.

Es war doch nicht ganz übel, daß diese heiligen Männer denGroßen so die Wahrheit sagen durften, was indessen Hofnarren auchthun konnten, und daß diesen Abkanzlern bei der Tafel sogar von einemKurfürsten von der Pfalz noch das Mundglas gereicht wurde: „Heute

t Ich nehme gern aus der Predigt meinen Theil, mag aber nicht, dah man mirihn gebe.