nichts ist dem wahrhaft großen Mann widriger als das Hundegekläff,wie um Napoleon her. Gaffendi reiste einst von Paris nach derProvence mit einem gebildeten Manne; zu Grenoble stieß dieser aufeinen Bekannten, der den berühmten Gaffendi besuchen wollte. „Onehmen Sie mich doch auch mit!" Der Reisende fand in seinemReisegefährten von Paris den bescheidenen Gaffendi. Es war einseltener Deutscher, der reichgcwordenc Kaufmann N. N., den ich schondarum liebte, weil er den Titel Commerzienrath ausschlug.
Der Gegensatz des Stolzes ist Demuth, Muth zu dienen, eineecht deutsche Nationaltugcnd, welche unsern Geschwisterkindern, denBrittcn, fremd ist, und die auch die Alten nicht unter die Tugendenzählten, vielmehr Kleinmuth nannten, im Gegensatz von
, Großmnth. Demuth ist eine aus mißverstandenem Chri-stcnthume hervorgcgangene ekelhafte Kuttentugend, wie die Jungsern-chen im Mittelaltcr, die Klostcrgelübde, der Pantoffelkuß und andererUnsinn bis zur Demuth, sich nicht malen zu lassen, und ist und bleibteine Eselstugend wie die Geduld, die Spitzköpfc den Plattköpfen ein-reden und auch wohl eiubläueu. In Deutschland wollen wir dasLändlichsittlich erwägen; unsere Verfassung und der steife Stäudcunter-schicd machte die Kuttentugend zur Nothtugend, und entschuldigteselbst Kriechereien. Mit der politischen Reformation, die hoffent-lich sich immer mehr veredeln wird, wird auch sie sich veredeln; manwird sich im Auslande wenigstens nicht mehr seines kriechenden Lands-mannes zu schämen haben, und sie mag als deutsche Natioualtugcnddastehen in veredelter Gestalt. Der Deutsche ward einst gerühmt wegenseiner Bescheidenheit; sie scheint leider mit der Kultur zu verschwinden,wovon man sich auf Reisen am besten überzeugen kann; die edle Tu-gend, weit entfernt, anerkannt zu werden, wird falsch gedeutet, miß-braucht, und wer sich bescheiden oder bloß passive verhält, ist verloren;er muß das Doppelte zahlen; jener Britte zu Frankfurt aber, der fastjede Viertelstunde den Kellner herausklingelte bis spät in die Nacht,um die Lichter zu Putzen, verdiente die Rechnung.
Die alte Demuth war im Grunde nichts weiter als eine auf Ver-stellung, Gewohnheit und Einfalt gegründete Frömmelei der soge-nannten geistlichen Welt, die das Wort stets auf der Zunge und nurwenig im Herzen hatte, selbst den Kapuziner nicht ausgenommen, dersich krater iuäiguus ' unterzeichnete, und Friedrichs Frage nicht Übelnehmen durfte: „Mein Gott, wessen mag der Mensch doch würdig
» Unwürdiger Bruder.