dem jeder Gutes spricht, eiiMittelmäßiger Mensch sei, der bnn-Iiomme derFranzosen. Ausgezeichnete Männer wollen nur von ihresgleichen ge-richtet sein, und sind kairs, die bei den Lobsprüchcn des großenHaufens mit Phocion fragen: Habe ich etwas Unschickliches begangen?Sie haben neben wenig warmen Freunden die meisten Feinde; siesuchen nicht Allen zu gefallen; jedoch niemand zu gefallen, wäreschmerzhaft:
Soll er wählen, er wählt gern die Mitte,
Wenigen gefallen und nur den Bessern;
Aber unter beiden, ob Allen oder Keinem?
O Keinem!
Die Wahrheit liegt stets in der Mitte, wo sie schon das philo-sophische Genie der Alten, Aristoteles, fand, jedoch mit seiner goldenenMittelstraße (gr-örri;) sich in Widersprüche verwickelte, in die jede Hy-pothese verwickelt, wenn Alles sich ihr unterordnen soll; denn nur derMathematiker in der Mitte seiner Zirkel kann sagen, daß er im Mittel-punkte stehe. Zu viel Demuth und Bescheidenheit führen heutzutagezu nichts (oft schon Stillschweigen); inan nimmt einen beim Wort(oder sagt: Warum haben Sie geschwiegen?), und noch selten odernie hat ein Bescheidener an Höfen Glück gemacht, überwiegend glän-zende Verdienste ausgenommen. Laudon durfte sich immer an dieThüre stellen, Maria Theresia und Joseph riefen ihn dennoch, undFriedrich zieht ihn bei Tafel an seine Seite: „Ich habe Sie lieberneben mir (mich, sagte er wohl), als gegenüber." Morean wird vonjenseits der großen Gewässer herbeigerufen: Andere aber kommen wei-ter, wenn sie bescheiden scheinen, aber wehe ihnen, wenn sie es sind.Turcnne schrieb nach der Düncn-Schlacht: „Der Feind kam, wurdegeschlagen, daher bin ich müde, gute Nacht." Sein Verdienst warlängst entschieden, und auf Zeitnngsposaunen durfte er auch rechnen,und so brauchte er keine Napoleonischen Bulletins. Veilchen werdenim Verborgenen gesucht und hinter den Hecken; Rosen und Tulpenund Blumen aller Art stehen in Gartenbeeten.
Die Bescheidenheit ist in hundert Fällen reine Affektation wiebei alten Jungfern, wenn noch Heirathsanträge kommen, oder beiden Kriechereien zu Aemtern im Staat und in der Kirche; selbst Leutesind vor Seiner Heiligkeit gekrochen, um Heilige zu werden. Das Ehr-gefühl pflegt bei Kleinen oft schärfer zu sein als bei Großen, weilsie immer fürchten, sie kommen zu kurz; daher wird kein Billigdcnken-der von jungen Offizieren, Hofkavaliers, selbst Aktuaren und Assi-