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[Dritter Band. - Vierter Band.]
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stcntcn allzugroße Bescheidenheit verlangen können (kaum ihre Gläu-biger), und noch weniger es jungen Gelehrten verargen, wenn sie dieBescheidenheit nicht weiter treiben als bis zur Vorrede. Wer beimLobe bescheiden bleibt, hat noch nicht die Probe bestanden, bleibt eres aber auch beim Tadel, dann darf man anfangen, an seine Tugendzu glauben. Der alte Weg znr Ehre war Degen und Feder; er istnoch nicht ganz eingegangen, aber die Bescheidenheit wird wohl thun,sich doch nebenher mit einem Fächer zu versehen und mit einemFuchsschwänze; ein philosophischer Regent, dem die gewöhnlichenOrdenszeichen zu wenig sagten, wollte daher den Orden des goldenenFuchsschwanzes und des silbernen Rauchfasses errichten.

Die vier Cardinaltugenden der Alten scheinen gerade in denZeiten der Cardinäle mehr als Ovidische Verwandlungen erlitten zuhaben: aus der Klugheit wurde List, aus der Gerechtigkeit Raub, ausder Mäßigkeit Schlemmerei, und aus dem Muth Unterwürfigkeit.Selbst der grellste Gegensatz der Selbstliebe, der Selbstmord, der beiden Alten nicht selten Seclcnstärke war, ist bei uns Seelenschwäche,die letzte Krisis einer Scclenkrankhcit, Wirkung einer heftigen Leiden-schaft, der Liebe, des Stolzes, des Ehrgeizes, Erschlaffung oder Folgeeines durch Liederlichkeit zerrütteten Körpers, schlechter Streiche undSchulden. Wir wollen mit drei Cardinaltugenden vollkommen zu-frieden sein: mit Kopf, Herz und Muth, die so selten sind, daß siezusammen den vollendeten Mann machen, der einen dreifachen Lor-becrkranz verdient. Der Weg zu dieser Siegesbahn ist die Selbst-kenntniß, ein Weg, der aber mehr als ein bloßer Spaziergang ist,und die Inschrift des delphischen Tempels war: l'v2.ii oe-oeöv. ' Peterder Große war ein Mann; er reformirte seine halbwilden Russen, sichselbst aber lernte er nie reformiren.

Wenn wir unsere guten Eigenschaften als Geschenke der Natur,und unser Verdienst stets nur unter der humanen Ansicht der Pflichtbetrachten wollten, so gelangten wir vielleicht am ehesten auf denrechten Weg des Heils, nämlich zur Selbstkenntniß, das einzige Heil-mittel all unserer Seelenschwächcn oder Leidenschaften. Nächst diesemHauptmittel heilt auch von übertriebenem Selbstgefühl Weltumgang,Gesellschaft, Reisen, wo wir auch andere Leute, höhere Talente kennenlernen, und wenigstens aufhören, Riesen unter Zwergen zu sein, unddann wieder der gerade Gegensatz, Abwechslung durch Einsamkeit, dieuns am ehesten unsere Schattenseiten zeigt, die Andern verborgen sind,> Lerne dich selbst leimen.