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XXIV.Der Geiz.
Der Geiz ist die kälteste aller Leidenschaften; wenn die andernmit den Jahren abnehmen, nimmt diese zn; daher sie wohl die ver-ächtlichste nnd lächerlichste unter allen ist, über die der Spott nichtreichlich genug kann ausgegasten werden. Sie zeigt sich vorzüglich beialten Leuten nnd dann beim kalten Phlegma, und ist die einzigeLeidenschaft, die sich nie oder höchst selten heilen läßt. Die Leiden-schaft, mehr zn haben als man bedarf, ohne es anzuwenden, schindetdie Laus um den Balg, nnd weint um das Stückchen Brod, das derKörper bedarf. Der Geiz mußte ungeheuer steigen mit der ErfindungdeS Geldes, das an die Stelle des Austausches der Naturprodukteoder Waaren trat und ihren Werth jetzt reprkscntirte. Lykurgs Eisen-geld nnd der ersten Römer Kupfergeld würde nicht weit führen; wirmüssen edlere Metalle haben, Gold und Silber, und sie sind auchgeeigneter als Homers Ochsen, das Salz in Abyssinicn, die Canrisoder kleine Muscheln der Neger, die Vögel in den schottischen Hoch-landen und in Neufundland der Stockfisch. Geld ist die allgemeineWaare, die zur Kultur des Menschen so viel beitrug als zu seinemVerderben. Jener Geizhals versagte sich jedes Vergnügen: „die Be-gierde," sagte er, „gehört mir, das Vergnügen aber, wenn ich esgenieße, geht verloren;" er weinte wie Hcraklit, nnd gewöhnte sich,seine Gosche so weit vorzuhalten, daß keine Thräne ihm zur Erdefiel, nnd letzte sich mit sclbstcrzcngtcm Nektar. Der berühmte ArztMolin, reich wie Bocrhave, lebte so spärlich, daß ein Geizhals ihmaufwartete, um von ihm zu lernen; Molin blies sogleich seine Lampeaus: „Zum Reden brauchen wir kein Licht;" und der Gast entferntesich mit den Worten: „Ha, ich war nur ein Kind in der Ockonomie!ich danke für Ihren Unterricht."
Der kindische Wunsch, Fortnnatus Wünschhütlein oder stets vollenSäckel zn haben, mag wohl Vielen schon eingeleuchtet haben, wie die
t Nicht er besitzt daS Geld, sondern das Geld besitzt ihn.
DcmolritoS. IV.
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