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Verletzung der Ehre des Regenten, auswärtiger Regenten und derMinister. Bei dem langen Nachschwingen unter Napoleons orienta-lischem Zepter herrschte in der That nach seinem Sturze unter unsernpolitischen Schriftstellern ein Geist der Anmaßung, den der ernste,bescheidene Mann tadeln mußte, denn er reizte bloß die Machthaberund machte das Volk unzufrieden. Indessen war es wieder einlächerliches Extrem, daß eine Censur einem Autor verwies, die ge-strichenen Stellen mit-ausgefüllt zu haben, und eine Sauer-
brunuenvcrwaltnng sich beschwerte, daß man den mangelhaften Zustandihrer Korkstöpfel öffentlich getadelt habe.
In Hinsicht der Religion und der Sittlichkeit, die besondershäufig mit den Werken der Kunst in Collision kommt, ist die Sacheschwieriger; Verschiedenheit der Anficht wird hier oft mit offenbarenVerletzungen verwechselt, und die Grenze der Censur ist hier so schwerzu bestimmen, als die zwischen Justiz und Polizei. So sieht ein oftrecht liberales Preßgesetz Ansichten, die nicht im ernsten Ton derWahrheit über Subjekte und Gegenstände, die für heilig gehaltenwerden, vorgetragen sind, als Vergehen an. Aber wem verdankenwir, daß die tausend Lächerlichkeiten, die ein gerader Verstand in demPnpstweseu, der Möncherei, den Heiligen und ihren Wundern undReliquien finden muß, die im Mittelaltcr für heilig galten und all-gemein verehrt wurden, nicht mehr sind zum Wohl des Staates undvieler Millionen Menschen? Deni ernsten Ton der Wahrheit, oder derSatyrs und dem Spott? Was heilet Schwärmerei besser, Wahrheitund ernste Belehrung oder die Geißel des Satyrs? Das lliäsuäoäicsrs vsrum ^ verbannen, wäre ein wahrer Rückschritt; das Lächer-liche ist der Ichneumon, der das Krokodil! der Willkür am sicherstentödtet, und so auch die Abgottsschlange der Mystik, die so sehr dasHaupt erhebt, und mehr als lächerlich ist, da sie selbst das tatst au-guis in Verba ^ nicht einmal mehr bewahrt. „Wen es juckt, der magsich kratzen," wäre auch als Regierungsmaxime hier nicht übel.
Sollte eine vernünftige, freie Verfassung nicht einen vernünftigenMittelweg finden, der die Censoren abhalten könnte, mit deu durch-dachtesten Geisteswerken umzugehen, wie ein Präceptor mit den Ilxer-vitit» seiner Schüler? Zurufen dürfte sie immer den Schülern mitDavid: „Bleibt zu Jericho, bis euer Bart gewachsen!" vielleicht selbstalle Schriften verbieten, worin nichts Neues und bloß aufgewärmtescomplicirtes Zeug enthalten wäre. Von der Wiener Censur könnte> Lachend die Wahrheit sagen. — ? Im Gras ist die Schlange verborgen.