253
sich halb todt darüber. Lampadius dachte wie Tilly, der Grammontsagte: „Mein Anzug wird Ihnen auffallen; er ist nach meinerMode;" aber so dachten nur noch wenige Deutsche. Das Gemälde,das Macchiavelli 1500 von Deutschland gab, paßte schon damals nichtmehr: „Jede Gemeinde hat Kapitalien, denn sie brauchen wenig —Brod,Fleisch und eine warme Stube; das Uebrige kümmert sie nicht. Kaumhängen sie in zehn Jahren zwei Gulden auf den Leib, bauen wenig,Soldaten sind sie selbst, und so bleibt das Geld im Lande; sie begnü-gen sich mit Landesproduktcn s obi uon rr ZsU' altrs ooss, sa seima0S8S, ö von 1s veroa" ' und im neunzehnten Jahrhundert?
Die Prinzessinnen Homers holten Wasser, wuschen und spannen,die Söhne der Könige hüteten Vieh, Agamemnou kleidete sich alleinan, und Achilleus bereitete das Essen für die Gesandten Agamemnons,und neben dem Bette der Römerin stand ihr Webstuhl. Die KleiderCarls des Großen fertigten seine Töchter; und eine Herzogin desvierzehnten Jahrhunderts bemerkt in ihrem Tagebuche, daß sie frühevier Uhr der Katharina geholfen habe, die Kühe zu melken, und umsechs Uhr ein Huhn gepflückt habe. Ein Fürst Hessens schickte seinen„groß und bengelhaft" gewordenen Sohn nicht nach Paris, sondernan deutsche Höfe, „damit er Mores lerne," und ein einziger Reisigerbegleitete ihn. Der Rentmeister, der bei einer Rechnung von achtThalern beisetzte: „Dat heet schlampampen," würde sich jetzt aufhängen,wenn er die Millionen verrechnen müßte, welche die Nachkömmlingejenes Fürsten auf Jagden, Opern, Spiel rc. verwendeten, wobei nurRcchnungsnachkömmlinge allenfalls gewinnen. Von solchen Rent-meistern sagte einst Rasumowsky zu Wien: „Soll ich den Kerl ab-schaffen? er hat mich um fünfzigtausend Rubel wenigstens geprellt,aber er ist jetzt reich; setze ich einen Andern ein, so wird dieser eben-so fett werden wollen." —
Carl der Große, der einer halben Welt Gesetze gab, bekümmertesich auch um die Eier seiner Meierhöfe, und Philipp der Großmüthige,der dreißigtausend Mann unterhielt und Herzog Ulrich von Württem-berg wieder einsetzte, handelte mit dem Straßburger Rektor Sturmum das Kostgeld seiner Söhne L hundert Thaler. Wenn Luther sagt:„Ich habe Tuchs genug, mag mir aber keine neue Hosen machenlassen, habe die alten viermal geflickt und will sie noch weiter flicken,denn es ist kein Fleiß bei den Schneidern," so spricht nur ein Privat-mann; was sollten wir aber sagen, wenn ein Kurfürst Christian IV.
> Wer nichts anderes hat, kann ahne dasselbe auskommen, und sucht es nicht.