261
nur der, welcher mehr hat, als er braucht, Genügsamkeit ist natürlicherReichthum, Luxus ist erkünstelte Armuth.
Melon, Maudeville, Hume, Home, Stewart, Genovesi rc. sindLobredner des Luxus; Montesquieu, Pinto, Helvetius, Plouquet rc.seine Tadler, denn sie unterscheiden nicht den Luxus der Staaten undEinzelner, öffentlichen und Privatluxus, und sahen mehr die morali-schen Nachtheile, als die Politischen Vortheile. Die Alten zwangendie Sklaven zur Arbeit; uns zwingt Luxus dazu und macht uns selbstzu Sklaven und noch mehr. Der Ausruf: „Es kostet mich auch wasEhrliches!" kostet gar oft die Ehrlichkeit selbst! Oeffentlicher Luxusbelebt den Kunstfleiß und ist nützlich, wir müßten denn zu LykurgsEiseugeld, schwarzem Brei und Heloten zurückkehren wollen; aber derLuxus des Einzelnen oder der Mißbrauch des Reichthums ist einUebel. Bcquemlichkeitsluxus muß man schon gelten lassen bei fort-schreitender Kultur; aber das Bedürfniß des Ueberflüssigen, oder derLuxus der Eitelkeit ist stets schädlich, richtet sich aber auch wieder nachden Verhältnissen. Aristipp, der 50 Drachmen für ein Rebhuhn zahlte,konnte mit Recht den tadelnden Schreiern: „Höchstens 3—4 Obolen!"sagen: „50 Drachmen sind mir, was euch 3—4 Obolen." Maudevillein seiner berühmten Bienenfabel hat die Nützlichkeit der Laster imStaate erwiesen. Was würde aus Handel und Marine ohne Geiz?Was wären Künstler und Schneider ohne Eitelkeit? Was Soldatenohne Ehrgeiz? Was Schlosser ohne Diebe? Was ohne Laster alledrei Fakultäten?
Allzugroßer Hang zu Genüssen sucht sich mit Pflicht und Vater-land möglichst abzufinden und gibt, um in seiner Sinnlichkeit nichtgestört zu werden, Gold und Goldeswerth, anstatt Geisteskräfte undLeben und einen bloßen Goldstaat wirft der erste Windstoß über denHaufen. Luxus des Volks war stets Zeichen des abnehmenden, nichtdes zunehmenden Wohlstandes und Aufwandsgesetze haben das Ver-derben nie abgestellt, sondern bloß auf Schleichwegen in neues Ver-derben geführt. Das beste Aufwandsgesetz ist das Beispiel des Re-genten; ist dieser und sein Hos einfach, so sind es auch die höherenStände, und diese wirken wieder zurück auf das Volk, wie wir unterunsern Friedrichen und Josephs sahen, und unter dem letzten Mark-grafen von Baden. Und so dachte auch Henri I'V-, der freilich einenSullq hatte.
Aus diesem Gesichtspunkte scheinen die Alten den Luxus betrachtetzu haben, und nannten ihn daher Luxus, Luxatio, Verrenkung. Die