der mehr fraß, als dieser aufzuwenden hatte, und doch durste er dieGnade nicht ausschlagen, und Seinesgleichen würden ihn für einenMann ohne Ehre gehalten haben; und solche. Gnaden gab es aucheinst unter uns, und sie entsprachen dem Sinne des Wortes so wenigals die Parzen, die den Lebensfadcn abschneiden und doch von xaroorsherkommen wollen, von „schonen." Gnade gehört lediglich für Ver-brecher; dein Biedermann aber keine Gnaden, sondern Gerechtigkeit.Aus Gnaden wollte Seume nicht einmal selig werden.
Gleiche Betrachtungen lassen sich bei dem Worte Hof anstellen;es hat eine so magische Kraft als das Wort Gnade, und beim Hand-werksmann hat es sogar Sinn vor seinem Namen, weil gar vieleKunden glauben, daß er der bessere Meister sei; aber höher hinauf?Friedrich dachte auch über Titel strenge, machte einen titclsüchtigenHoftrompeter zum geheimen Hoftrompeter und gab titelsüchtigcn Ta-baks- und Waisenhansverwaltern und Viehärzten die Titel Tabaks-rath, Waisenrath, Viehrath; Einem, dem der Titel Rath zu kurz war,gab er den Titel Titnlarrath, und da er abermals supplicirte, wirk-licher Titularrath. Friedrich war auch bei diesen deutschen Titelthor-heiten ein großer Deutscher, wie schon sein Vater, der für 1000 Thalereinem Hofapotheker den Titel Geheimerath verliehen hatte. Dieserkam ihm einst in den Wurf: „Wer seid Ihr?" — „Euer Majestät,Geheimerath N." — „Hundsfott," rief er unter einigen Hieben, „sprich:Ich heiße Geheimerath!" So muß der Graf von Provence nicht ge-dacht haben, der eine Menge Orden und Kammerherrnschlüssel aus-theilte, und selbst einen deutschen Wirth, der ihm die ersten Kirschenschickte, damit beehrt haben soll. Mir ist der Hofprediger eines kleinendeutschen Fürsten auch dadurch unvergeßlich, daß er bei seiner Reisenach der Schweiz das Jncognito beobachten zu müssen glaubte, gleichdem Grafen von Falkensteiu, und sich nach einem Filial nur — Pfarrervon Otzenrod nannte.
Friedrich ließ in der Kirche für sich beten: „Wir empfehlen dirauch, o Gott, unsern König, deinen Knecht," während sich Patricierals hochwohlgeborne, hochweise Herren von N. N. auf ABC—Z Gottempfehlen ließen. Der Kanzler von Aalen und Bopfingen war so gutMagnificenz, als Frankreichs Kanzler, und die Rathsherren — Herr-lichkeiten, wenn sie auch Kartoffeln hackten und Mist luden. Die Pa-tricier hießen auch gestrenge, dann aber auch wieder gnädige Herren;die Familie des ärmsten Dorfedelmanns — Herrschaften; und nochhaben wir hochlöbliche und wohllöbliche Aemter, so oft man auch das