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Der Satyr erscheint bald in Gestalt der Fabel, wohl die ältesteArt, bald in Erzählungen und Mährchcn, bald in Dialogen, bald ineinem Traume, bald findet er sich in gelehrten Abhandlungen, bald inLiedern, wie Michaeli's Wiegenlied der Stadtschönen, das in dreiStrophen Boilean's Satire auf Weiber aufwiegt, bald in Romanen,Lustspielen und Epigrammen. Man benennt gewöhnlich die Satirennach diesen Formen, und nur diejenigen kleineren Stücke behalten deneigentlichen Namen Satiren, die nicht zu den genannten Formen ge-zählt werden. Ions los gsnres sont bons, üors Is genes ennu^eux, 2und dies ist leider so groß, daß selbst ein Meuselscher Literator diedahin gehörigen Satiren nicht alle aufzählen könnte.
Der Ursprung der Satire ist überall derselbe; überall finden wir,daß selbst rohe Völker bei ihren Festen kein größeres Vergnügenkennen, als wenn die Witzigsten unter ihnen sich aneinander reiben,bei den Wilden so gut, wie in unsern Dorfkneipeu und Kasernen, beiden Bacchanalien der Alten wie bei den Fastnachtsspüßen des Mittel-alters und den altdeutschen Pritschenmeistern bei Volksfesten. Beiden Tauf-, Hochzeit- und Leichenschmüusen der Neuern finden wirdasselbe, wo selbst oft der Schullehrer den Spaßmacher macht, und inmanchen katholischen Orten selbst der Herr Pfarrer. Das Andenkenan diesen rohen Ursprung liegt in dem Worte Satyr (das Gefolgedes Bacchus kleidet sich in Thierhäute) und unser Ausdruck Schimpfund Ernst deutet auch darauf hik; Schimpfen ist nicht mehr alsScherzen. Die Anlagen zum Witz, die wir beim gemeinen Mannefinden, bleiben roher Marmor und führen sogar von Schalkheit zurBosheit, wie den Eulensviegel und den weniger bekannten CoburgerSchreiner Geuß, worüber man Schlichtegroll (II. 1799) nachsehen mag.
Unter den berühmten Nürnberger Spruchsprechern bei Hochzeitenund andern Feierlichkeiten, die als obrigkeitlich bestätigte Lob-, Ruhni-und Ehrenredner bis 1865 fortdauerten und begreiflich machen, wieVoriea (Nürnberg) eine größere Bibliothek auszuweisen hat, als ganzRußland, denn ihre Wünsche wurden so gut gedruckt, als die Leichm-predigten auf die hohen Patricier und deren Genealogien, zeichnetesich vorzüglich ein Wilhelm Weber (1640 bis 1660) aus, der lange
* Wegen eines Epigrammes, das offendirt,
Ward der Poet voltärisirt (d. h. geprügelt wie Voltaire).
* Alle Gattungen sind gut, mit Ausnahme der langweiligen.