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[Siebenter Band. - Achter Band.]
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philosophisch und historisch ernstlichst auf den Leib zu gehen, wähltedie Geißel des Lächerlichen und weckte so besser den schlummerndenGeist der Zeit. Er scherzte über das Fegefeuer: „Es wärmt diePfaffenküche, daher müssen sie es auch Pflegen," und bei Luthers Ver-ehelichung lächelte er: „Es ist ja ein alles Mährlein, daß der Anti-christ von Mönch und Nonne kommen soll;" aber wie viele Anlichristenwären da nicht schon in der Welt? Wenn auch der cholerische Luthermit Atheist, Epikuräer, Skeptiker, Gotteslästerer rc. um sich warf, sohatte Erasmus doch eine sehr reine Ansicht vom Christenthum, dasauch theologische Streitigkeiten und scholastische Spekulationen gar nichtkennt, worüber das Wesentliche der Religion verloren ging, und warkein Voltaire; aber zur Märtyrcrkrone hatte er eben auch keine Lust,und besorgte, „in der Noth, wenn das lutherische Trauerspiel sich nochweiter entwickele, werde er dem heiligen Petrus nachahmen." Wenner nur seinen alten verfolgten Freund Hütten, dessen allzu ritterlichesLeben ihm freilich nicht zusagen konnte, zu Basel besser behandelt hätte— ros saoi-L wisse. ^ Wenn ich den noblen Charakter Huttens be-denke, so verliert der furchtsame Zweizüngler und gelehrte SchleicherErasmus meine Achtung.

Aber Erasmus bleibt immer der Riese unter den Gelehrten seinerZeit; Mönche konnte er schon darum nicht leiden, weil man ihn einstin die Kutte zwang; die Katholiken konnten ihn so wenig leiden alsdie Protestanten, weil er so frei dachte, aber dafür war er das Orakelaller Gebildeten; Monarchen beeiferten sich, ihn an ihre Höfe zu ziehen;Papst, Cardinäle und viele Fürsten wechselten Briefe mit ihm; manbuhlte gleichsam um seine Dedikationen, und Städte beehrten ihn beider Durchreise mit Wcingeschenken; er war gefeierter noch als Vol-taire. Die dem Genie eigene Liebe zur Unabhängigkeit bewog ihn,lieber vom Bücherschrciben und Bnchcrkorrigiren zu leben, als anHöfen. Studiren war sein Leben, und so starb er ohne Pfründen(doch bezog er einige Pensionen), bewundert als der größte Mannseiner Zeit. Sein Landsmann Adrian von Utrecht wurde Lehrer KaiserCarls V. und Papst; Erasmus in seiner Einsamkeit aber der LehrerEuropa's; sein Genie und seine Gelehrsamkeit gaben ihm mehr Glanzals die Drcikronc Hadrian gab, und der Nachwelt ist er ohnehin mehrals alle Päpste, ob wir gleich auch beim Salhr dieses Genius diegroße Genügsamkeit unserer Alten bewundern müssen. Der Geist desErasmus sei mit uns Allen, »nd schaden wird es nicht, wenn ich die

t Der Unglückliche sei dir heilig.