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[Neunter Band. - Zehnter Band.]
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er nützte die Rinnen vergessener Stücke, und vergeben-? würden Plcm-tus, Terentiiis, Boccaccio, Lope rc. ihr Eigenthum zurück verlangen;es ist von seinen Ideen nicht mehr zu trennen, und daher gaben sichNiccoboni und Cailhava vergebliche und lächerliche Mühe. Moliöreschliff die rohen Kiesel zu Brillanten und faßte sie in Gold; mag daSGerippe Andern gehören, wer mag die Reize einer Helena beurtheilennach ihrem Skelette? Das Komische war Molisrc's Eigenthum, undso nahm er es, wo er es fand, und sein Genie zeigte sich sattsam inder Kraft und Wahrheit seiner Darstellungen, wie in Hervorbringnngkomischer Wirkung durch die einfachsten Mittel. Welche Galerie dermannigfaltigsten Charaktere, und doch jeder in seiner ganzen Indivi-dualität, die oft ein Wort bezeichnet! Seine Shakspear'sche Kraftfließt aus dem Coutrast der Situationen mit den Neigungen und Ab-sichten des Handelnden, des eigenen Charakters mit dem angenomme-nen oder eingebildeten, aus dem Gegensatz der Worte und Handlun-gen, der Wahrheit und des Scheines, der Denkart und des Betragens;und aus der Wichtigkeit, mit der seine Thoren die größten Kleinig-keiten behandeln. Wie glücklich ist er nicht in komischen Mißverständ-nissen und einzelnen Worten , in Anlegung und V-rwicklnng der Knotenglücklicher als in der Auslösung, was er mit den Komikern des Alter-thums gemein hat, nur daß diese tief unter ih»! stehen, da sie sichmehr an Oertlichkeiten als an Natur und das Allgemeine hielten. Esist das feinste Lob, wenn man von ihm sagt, er habe keinen eigen-thümlichen Stil, denn er drückt überall die Individualität seiner Per-sonen aus, und nicht die seinige, und ist unnachahmlich im Dialog:kein Dichter hat so wenig leere Scenen, so immer sein Ziel im Auge,wie er.

Kein Komiker hat so auf Europa gewirkt als Meliere, und sowichtige Thorheiten hinausgclacht, die Aerzte mit ihrer lateinischenSalbaderei, die Stutzer niit ihren Galanterien, die Gelehrten mitihrem Pedantenstolz, die Affekiation der Neugeadelten, den Mnrrsiunfinsterer Moralisten, die Zierereien gelehrter Weiber rc. Moliere istwie gemacht für den Mann gesetzten Alters, wie Horaz auch. Sollteman glauben, daß dieser Lacher melancholisch war, wie Carlino, unddann so zerstreut, daß er einst aus einem ihm zu langsam gehendenWagen sprang und von hinten schob, bis der Koth und das Gelächterihn aufmerksam machten auf das, was er that? Ein kleiner Verstoßgegen seine eigensinnige Ordnungsliebe konnte ihn auf ganze Tageverstimmen, und daher war der Bediente übel daran, ein so guter